Sind Sie älteren Jahrgangs und suchen eine (Teilzeit-)Stelle, möchten sich aber die Schmach von lauter Absagen ersparen? Ein schweizerisches start-up-Unternehmen hat einen Weg gefunden und eine online-Plattform für Vermittlungsdienste geschaffen.
Wer die 50 oder gar schon das Pensionsalter überschritten hat, muss sich auf massiv sinkende Chancen auf dem Arbeitsmarkt einstellen. Sich in diesem Alter noch offiziell auf eine (Teilzeit-)Stelle bewerben? Lieber nicht. Die Schmach ewiger Absagen kann man sich so ersparen. Und in der Tat: Die Chancen, zum Handkuss zu kommen, sind realistisch gesehen minim bis aussichtslos.
Noch voller Tatendrang
Den eigenen Vater vor Augen hat der Jungunternehmer Alexis Weil allerdings festgestellt, dass auch ältere Semester ungebrochen voller Tatendrang sein können. «Solange sie fit sind, möchten viele gerne einen Fuss im Erwerbsleben drin behalten.» Heute ist sein Vater 73 Jahre alt. Er arbeitet nach wie vor als Senior Consultant bei einer Immobilienfirma. Das Gefühl, von der Gesellschaft weiterhin gebraucht zu werden, bedeute ihm viel.
Doch wie bringt man Angebot und Nachfrage auf diesem «Seniormarkt» sinnvoll zusammen? Diese Frage stellte sich Alexis Weil. Ihm fiel auf, dass sich ältere Menschen in Medien manchmal darüber beklagen, dass sie trotz guter Qualifikation schon lange erfolglos nach einer Arbeit suchen würden. «Nachdem ein Zeitungsbeitrag erschienen war, ging es aber manchmal ganz schnell, bis sich eine Firma meldete, und ein Abschluss zustande kam.»
«Angebot und Nachfrage finden sich eben oft nicht», konstatiert Alexis Weil. «Aber ich bin davon überzeugt, dass zahlreiche Unternehmen offen sind für die Anstellung älterer Menschen.» Doch man müsse sich eben zuerst finden.
Spiess umgedreht
Aus dieser Erkenntnis heraus gründete der Jungunternehmer unmittelbar vor der Corona-Krise das Unternehmen SeniorsAtWork. Die bestechende Idee des heute 34-Jährigen, der einen Master im Finanzwesen an der Universität St. Gallen absolviert hatte: Man könnte den Spiess doch einfach umdrehen. Das heisst: Die Auftraggeber (Firmen) bemühen sich um die älteren Arbeitskräfte, statt dass sich diese erfolglos bei den Unternehmen bewerben. Der Erfolg seiner Firma mit zahlreichen zustande gekommenen Deals und Dankesschreiben gibt ihm recht.
In der Praxis funktioniert das nun so: Erwerbswillige ältere Menschen erstellen auf der Plattform von SeniorsAtWork ihr eigenes Profil. Sie listen ihre Berufskenntnisse auf und geben ihre Präferenzen bekannt. Unternehmen, die sich dann auf dieser Plattform einloggen, haben eine grosse Auswahl von motivierten älteren Menschen.
In der «Höhle des Löwen»
«Bei uns sind aktuell bereits rund 5 400 Unternehmen und etwa 80 000 Kundinnen und Kunden registriert», bilanziert Alexis Weil, der von Zürich aus arbeitet. Für einen hochwillkommenen Wachstumsschub sorgte sein Auftritt in der ersten Staffel der «Höhle des Löwen».
In der Immobilienbranche stehen ältere Arbeitnehmende dank ihrer Erfahrung und einem grossen Netzwerk hoch im Kurs.
In dieser Fernsehsendung können Gründer ihre Geschäftsidee einem Gremium von erfahrenen Investoren vortragen, um Kapital und Unterstützung zu erhalten. Seine Idee stiess auf Anklang. «Es handelt sich um ein gesellschaftlich relevantes und emotionales Thema», so Alex Weil. «Wir definieren uns alle immer noch stark über die Arbeitswelt. Das Grundbedürfnis aktiv und integriert zu bleiben, ist gross», gibt er sich überzeigt.
Der anhaltend grösser werdende Fachkräftemangel infolge pensionierter Babyboomer dürfte dafür sorgen, dass Arbeitgeber händeringend vermehrt auch nach älteren Menschen Ausschau halten. Drei Investoren in der Fernseh-Sendung «Höhle des Löwen» zeigten sich angetan von der Firmen-Idee von Alexis Weil und boten je 20 000 Franken für eine Beteiligung von je 6.66 Prozent an seinem Unternehmen.
Trümpfe von Älteren
Die grossen Trümpfe der älteren Beschäftigten sieht Alexis Weil in deren angesammeltem Wissen, im aufgebauten Netzwerk als auch in einer tendenziell grösseren Flexibilität. Bei Menschen, die das Pensionsalter bereits überschritten hätten, ginge es oft um Teilzeitpensen oder Kurzfristeinsätze.
Auch ältere Buchhalter können Firmen wertvolle Dienste anbieten.
Grosse Chancen auf ein Mandat haben laut Alex Weil Spezialisten im Finanzwesen, in der Buchhaltung, im Gesundheitswesen, aber auch in der Immobilienbranche sowie unter anderem in der Bauleitung – und last but not least im Verkauf. Aber auch Aushilfsköche oder Kita-Mitarbeitende seien gefragt. Das Jobportal bietet laut Angaben auf der Homepage temporäre Jobs, ebenso Vollzeitstellen in Städten wie Zürich, Basel, Bern, St.Gallen, Winterthur, Chur, Thun oder etwa in Schaffhausen.
Die Plattform sei zudem für Privatpersonen offen. Wer also etwa einen Babysitter oder jemanden für Gartenarbeit sucht, hat grosse Chancen, auf dieser Plattform fündig zu werden.
Altersspektrum vergrössert
Nachdem sich die Plattform in den Anfängen nur an Pensionierte richtete, wurde das Altersspektrum in der Zwischenzeit vergrössert. Im Fokus befände sich zusätzlich die Generation der über 50-Jährigen.
Wer einen Blick auf die angebotenen Jobs werfen oder sich bewerben will, kann dies umsonst tun. «Nur wenn man das Profil aufschalten möchte und von Unternehmen direkt kontaktiert wird, wird eine kleine Gebühr fällig. Denn damit entfällt der mühsame und zeitaufwendige Bewerbungsprozess. Sie müssen sich nicht mehr bewerben, sondern die Unternehmen bewerben sich bei den Kandidierenden.»
Die Kosten variieren, je nachdem, welches Modell (Basis, Professionell, Priority) man wählt. (https://www.seniorsatwork.ch/preise-fuer-senior-talents/).
Was übrigens in den Deals zwischen Anbieter und Nachfrager konkret ausgehandelt wird, sei alleine deren Angelegenheit und nicht mehr Sache von SeniorsAtWork.
«Erfahrung hat kein Alter», sagt Alex Weil zum Schluss. «Das Alter ist nur eine Zahl».
Titelbild: Firmengründer Alexis Weil

Mich stört nur eines, warum schon wieder eine Schweizer Firma mit englischem Namen?
In der Schweiz spricht man hauptsächlich deutsch, französisch und italienisch und auch das Internet wird in diesen Sprachen benutzt.
Durch die längst zu dominante Anwendung der englischen Sprache in der Schweiz, geraten unsere Muttersprachen, die auch bei Behörden immer noch selbstverständlich angewendet werden, immer mehr ins Hintertreffen.
Die Folge ist, dass z.B. SchülerInnen kaum noch ihre eigene Muttersprache richtig beherrschen, dafür all den Mist, was von Amerika, China oder weiss nicht von wo, via Medien in Englischer Sprache zu uns herüber schwappt, als eigene Kultur wahrgenommen wird. Ich empfinde diese Entwicklung als Verlust und Schwächung unserer eigenen Schweizerischen Kultur und Identität.
Als Ergänzung zu diesem Artikel: Seniorweb hat über die bezahlte Erwerbstätigkeit von Seniorinnen und Senioren schon berichtet.
Hier die Vor-und Nachteile der verschiedenen Plattformen, Rent a rent, Seniorado, Seniorsatwork
https://seniorweb.ch/2020/08/01/plattformen-fuer-den-zustupf-zur-rente/
Später erschien ein Beitrag , der die Entschädigungsdifferenzen zwischen Frauen und Männern untersucht hat – bemerkenswert war, dass die Unterschiede deutlich abgenommen hatten.
https://seniorweb.ch/2022/10/04/maenner-verdienen-frauen-dienen/
2024 stellten wir fest, dass viele aus purer Not arbeiten müssen.
https://seniorweb.ch/2024/10/29/viele-senioren-arbeiten-weil-sie-muessen/
Mich stört diese hohe Kosten. Wenn man arbeit sucht hat man nicht viel Geld übrig. 7- Fr Monat ja, aber nicht der ganze Betrag von 150.- für halbes Jahr.
Habe mich nicht angemeldet.