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Unter der Dusche die Pointen

Seit George Heinrich Klauser als «Schorsch vom Haafebeggi 2» als Schnitzelbänkler aufgetreten ist, ist der gebürtige Kleinbasler ein Mann mit Legendenstatus. Seniorweb hat ihn in Laufen besucht.

Würden wir genau 20 Jahre zurückblenden, würde dieser Tage ein gewisser Georg Heinrich Klauser an seinen Schnitzelbänken herumfeilen, um sie an den «drey scheenschte Dääg» in Basels Bäizen und Kellern vorzutragen.

Kostümiert mit seiner schwarz-weiss gestreiften Latzhose, dem Blätzli-Wollpulli drunter und seiner Larve samt bunter Strickkappe sowie seinen Mitmusikern würde er die Bühnen betreten mit den Worten «Ych bi der Schorsch vom Haafebeggi 2» und das Publikum zum Lachen bringen.

Obwohl sich Schorsch seit zwei Jahrzehnten im bänklerischen Ruhestand befindet, erinnert sich noch der Eine oder die Andere an dessen Auftritte, immer auch wieder gerne prominent in den Fasnachtsrückblicken des Fernsehens zu sehen. Dies verdeutlicht den (unvergänglichen) Legendenstatus dieses Schnitzelbänklers, während andere Bänkler kommen und gehen.

Vom Hafenkind zum Laborant

Georg Heinrich Klauser erblickt am 1. Mai 1933 im tiefen Kleinbasel das Licht der Welt. Sein Vater schuftet im Rheinhafen nach dem Krieg als Schlackensammler an einem Kohleförderband. Hier, im weitläufigen Hafengelände, findet der kleine Schorsch als «Kriegskind» sein Spielparadies. Was die Schulzeit anbelangt, «fehlen mir zwei halbe Jahre», erklärt er im Gespräch mit Seniorweb: Im Winter hatte das Schulhaus keine Heizung und im Sommer war es von Soldaten belegt». Gross geworden sei er dennoch.

Schorsch, der privat als Heini angesprochen wird, möchte Schriftsetzer werden. Doch das klappt nicht. So heuert er bei Sandoz an und lernt Laborant. Beim Zusammenschluss von Ciba-Geigy mit Sandoz zu Novartis anno 1996 darf er mit erst 58 Jahren in Frühpension – «ausgestattet mit dem Goldenen Fallschirm», wie er schmunzelnd berichtet.

Zum Schnitzelbanksingen kommt Heini Klauser 1951, als bei einer Bänklergruppe ein Mann krankeshalber fehlt. Da zieht es ihm den Ärmel rein. Er singt in diversen Schnitzelbankformationen bei der Basler Schnitzelbank-Gesellschaft mit, bis er sich mit Susy Lüchinger «selbstständig» macht und als «Noocheblabberi» auftritt. Das Fernsehen SRF übernimmt nach diesem Kapitel das Konzept der beiden und lässt Walter Andreas Müller und Ursula Schaeppi als «Ehepaar Chifler» gegeneinander antreten; sie werden als «Paar» zu Publikumslieblingen.

20 Jahre, von 1986 bis 2006, ist Heini Klauser dann als «Schorsch vom Haafebeggi 2» auf der Piste. Seine Art Humor kommt beim Publikum an und bald zählt er zu den ganz Grossen seiner Zunft.

Vom Kleinbasel ins Laufental

Heini Klauser und seine Frau Margaret leben seit 1996 in Laufen. Die Wohnungsnot hätten sie aus Basel vertrieben, wie er sagt. Hier, im Norden des Städtchens, ist er noch immer aktiv. Zum Beispiel, indem er jeden Montagmorgen an rund 120 Abonnentinnen und Abonnenten seinen «Wochenvers» vermailt. Oder, indem er seine Werke in Form von jährlichen Fotobüchern verewigt. Selbstverständlich alles in Versform und Baseldeutsch.

Das Talent zum «Värslibrünzle» habe er erst nach und nach entdeckt und entwickelt, räumt er ein: «Das ist mit den Jahren gewachsen».

Ein guter Schnitzelbank müsse im Wesentlichen drei Eigenschaften erfüllen, sagt er. Zunächst müsse er glaubhaft sein, das heisst, man muss dem Bänkler glauben können. Erstens. Zweitens muss man den Bänkler laut und deutlich verstehen können; dazu brauche es eine einfache, verständliche «Hösch-Sprache». Und drittens gehe es selbstverständlich nicht ohne eine schlagende Pointe. Die besten Verse und Pointen seien ihm lustigerweise häufig unter der Dusche gekommen, verrät Heini und ergänzt: «Das war leider ein Problem – bis zu dem Tag, als ich eine Tauchertafel erhalten habe, um meine Gedanken auch im Wasser notieren zu können.»

Trump, FCB und die Frauen

Auf die Frage, welches Thema er heutzutage als Bänkler umsetzen würde, sagt Heini Klauser: «Trump selbstverständlich.» Der FC Basel, der Papst und die Frauen seien auch Lieblingsthemen von ihm gewesen, räumt er ein. Seine Frau, sagt er, habe keine Probleme damit gehabt, von ihm als Schorsch aufgezogen zu werden. Sie habe immer gesagt: «Das ist ja die Frau von Schorsch, das bin nicht ich…».

Die heutigen Schnitzelbänkler seien (fast) alle gut, urteilt Heini Klauser. Schön sei es, dass er bei einigen noch immer als eine Art Referenz gilt. Florian Schneider, der seit Jahren als Schnitzelbänkler «Muser Schang» unterwegs ist, komme jedes Jahr vor der Fasnacht zu ihm nach Laufen, um ihm seine Bänke vorzutragen (vgl. unten).

Schorsch, sag: Fällt dir gerade ein Bank von dir ein und könntest du ihn noch auswendig?

Heini Klauser alias «Schorsch» lässt sich nicht zweimal bitten und legt los:

«Ych ha mir ghofft, es chönnt emoll in Wänge länge
Dass d Öschtryycher uns nit vom Podäscht verdränge
Das isch doch fyys, das sin doch frächi Sieche
Ych wett emoll luege, wenn mir das mit ihne mieche…»

 


«Muser Schang» und Schorsch

Florian Schneider, Sänger aus Eptingen und seit Jahren als Schnitzelbänkler «Muser Schang» unterwegs, hat eine spezielle Beziehung zu Heini Klauser. Dazu sagt er: «Selber kann ein Schnitzelbänkler die eigenen Verse kaum distanziert beurteilen. Darum ist Heini Klauser für mich schon seit vielen Jahren die oberste Referenz und Autorität. Niemand hat feinere Antennen dafür, was beim Publikum ankommt und was nicht.

Immer ein paar Wochen vor der Fasnacht singe ich ihm und seiner Frau Margret am Stubentisch gegen dreissig neue Verse vor. Nur wenn Heini spontan lacht, behalte ich einen Vers im Programm. Lacht Heini aber nicht, landet der Vers im Papierkorb. Auch wenn ich kein Geselle mehr bin, für mich ist und bleibt Heini mein Meister, ein wunderbar feinsinniger, väterlicher Freund, auf dessen Wertschätzung ich stolz bin!»

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