1 KommentarElla Maillart – Reiseschriftstellerin und Fotografin - Seniorweb Schweiz
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Ella Maillart – Reiseschriftstellerin und Fotografin

Das Photo Elysée in Lausanne, Museum und zugleich wichtigstes Westschweizer Fotoarchiv, zeigt Fotografien, die Reisen von Ella Maillart zwischen Moskau und dem Chinesischen Meer dokumentieren, entstanden in den 1930er Jahren.

Eine unerschrockene Frau war sie zweifellos, die Genferin Ella Maillart (1903 – 1997), und stets interessiert, Menschen und ferne Länder kennenzulernen. Ihr gesamtes Werk, ihre Bücher und ihre Fotografien, wurde 2025 von der UNESCO ins Register des Immateriellen kulturellen Welterbes aufgenommen. Eine grosse, verdiente Ehre, die dem Museum den Anlass gab, einen Teil des Lebensweges dieser bemerkenswerten Frau in einer Ausstellung zu präsentieren.

Photo Elysée, früher in dem kleinen Palais l’Elysée oberhalb des Sees untergebracht und heute Teil der Plateforme 10, pflegt den Foto-Nachlass von Maillart seit 1988, es handelt sich um mehrere tausend Aufnahmen.

Ella Maillart, Ohne Titel, 1935, Republik China

Gemeinsam mit Ella Maillart zeichnete die UNESCO die in der deutschen Schweiz besser bekannte Annemarie Schwarzenbach aus. Die beiden Frauen waren befreundet. Eine der Reisen, die sie 1939 in den Iran bis nach Afghanistan führte, unternahmen die beiden gemeinsam in einem Ford. Dieses Abenteuer wurde nach dem Zweiten Weltkrieg für andere – den Genfer Nicolas Bouvier (1929 – 1998) etwa – ein Ansporn zu eigenen, noch ausgedehnteren Reisen.

Die aktuelle Ausstellung im Museumskomplex Plateforme 10 beschränkt sich auf die grossen Reisen, die Ella Maillart in die Sowjetunion, nach Moskau und in den Kaukasus, nach Usbekistan und Mittelasien führte, nach China, in die Mongolei bis in das damals von Japan besetzte Gebiet zwischen Mongolei und China, und schliesslich die letzte Reise in den Iran und nach Afghanistan.

Ausstellungsansicht

Die Fotografien, die in der Ausstellung von ausführlichen Erklärungen (Französisch und Englisch) begleitet werden, zeigen, worauf Ella Maillart Wert legte: Sie wollte erkennen, wie die Menschen leben, und ihre Kultur verstehen. Die Kuratorinnen Fanny Brülhart und Elisa Rodríguez Castresana erreichen durch die Hängung auf Augenhöhe, dass die nur auf ein ‘menschliches Mass’ vergrösserten Fotos direkt auf uns wirken – als könnten wir die Menschen selbst sehen. In einigen Vitrinen sind Originalfotoalben mit teils winzigen Abzügen zu sehen und mit handschriftlichen Erläuterungen.

Tangutische Schäferinnen mit 108 Zöpfchen, 1935 Qinghai / Rep. China

Spätestens in diesem Moment erinnern wir uns, dass die Fotografie damals noch echte Handarbeit war. Das Objektiv wurde jeweils von Hand eingestellt, die Fotos auf Zelluloid mussten entwickelt werden und konnten in jenen Zeiten nicht unbegrenzt vergrössert werden. – Nachträglich wäre dies heutzutage wohl machbar. – Als gute Beobachterin wählt Maillart ihre Fotoobjekte klug aus, seien es Schnappschüsse, die vielleicht gar nicht schnell geknipst waren, seien es Portraits von Einheimischen, bei denen ich oft eine gewisse Gelassenheit zu sehen meinte, als seien sich die Personen ihrer Würde bewusst, ohne sich dafür in Pose zu werfen. Zu spüren ist der gegenseitige Respekt zwischen der Fotografin und den Personen, denen sie begegnete.

Ein Berg-Kirgise mit einem Adler (für die Jagd), 1932

So ist Ella Maillart wohl erzogen worden. Ihr Vater, ein Genfer Pelzhändler mit wechselndem Glück in seinen Geschäften, und ihre Mutter, Dänin und Sportlerin, waren wohl darauf bedacht, ihre einzige Tochter zu Selbständigkeit und Offenheit zu erziehen. Schon früh entdeckte Ella den Sport – Wassersport und Wintersport – für sich, gemeinsam mit ihrer Jugendfreundin Hermine de Saussure.

Als Einhandseglerin nahm Ella 1924 an den Olympischen Spielen in Paris teil. Später, seit den 1930er Jahren, macht sie sich als unabhängige Journalistin, Fotografin und Schriftstellerin einen guten Namen. – In ihre emanzipierte Lebensführung, die sie ihr Leben lang beibehält, scheint sie hineingewachsen zu sein.

Segeln und Wintersport trugen mit den Jahren nichts mehr bei zu einem erfüllten Leben: Ella Meillart geht auf Reisen und schreibt darüber. Auf ihre erste Reise 1930 nach Moskau und in den Kaukasus folgen ausgedehnte Reisen in die fernen sowjetischen Länder, nach China, in die Mongolei bis in das damals japanisch besetzte Mandschukuo – wie gesagt, wagemutig war sie!

«Meine Strasse» – in Moskau: Ostojanka 1930

In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen galt die Sowjetunion für viele intellektuelle Europäer als Symbol des Fortschritts. George Bernard Shaw, H. G. Wells, Romain Rolland oder André Gide gehörten zu ihnen. Die Ideologie von Marx und Engels, geschärft von Lenin, wurde erstmals erlebbar. – Ella Maillart sah auch die Folgen von Stalins Säuberungen und den Hunger derer, die sich der Verstaatlichung widersetzten.

1932 reist sie in die neuen südsowjetischen islamisch geprägten Staaten Usbekistan, Kasachstan und Kirgisien. Von dort aus blickt sie erstmals auf China. 1934 erhält sie vom Journal Le Petit Parisien den Auftrag, über die Mandschurei zu schreiben. 1935 trifft sie in Peking den britischen Schriftsteller und Offizier Peter Fleming. Gemeinsam reisen sie von Peking bis nach Indien, mehr als 6000 Kinometer in sieben Monaten.

Vor einem sowjetischen Laden stehen die Leute Schlange. 1932, Turtkul, Usbekistan

1939 fährt sie mit Annemarie Schwarzenbach in ihrem Ford von Genf nach Kabul. Als der Zweite Weltkrieg beginnt, reist die Deutschschweizerin zurück, während Ella Maillart sich in Indien niederlässt, wo sie Freunde trifft und sich mit altindischer Philosophie beschäftigt. Über diese Jahre hat sie ein kleines Buch «Ti-Puss» geschrieben.

Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz lebt sie in Genf und in Chandolin im Val d’Anniviers. Sie leitet bis 1987 zahlreiche Reisen nach Asien und hält Vorträge über ihre Reisen, bei denen sie – damals hochmodern – ihre Fotos projiziert.

Ella Maillart. Récits photographiques.
Museumskomplex Plateforme 10 (nahe SBB-Bahnhof Lausanne),
Musée Photo Elysée, bis 1. November 2026.
Keine Ticketreservierung notwendig.

Titelfoto: «Li kommt mit der Küchenkiste». Qinghai / Rep. China 1935
alle Fotos: Succession Ella Maillart et Photo Elysée, Lausanne

Kurze Biografie von Ella Maillart

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1 Kommentar

  1. Am Freitag 22.4 26 findet im Baumgärtlihof Baumgärtlistrasse 12 8810 Horgen ZH eine Veranstaltung statt: FILM um 19.30 über die Seidenindustrie in Horgen und Umgebung. Alfred Schwarzenbach, der Vater von Annemarie war der grösste Unternehmer zu der Zeit.
    Das Familiengrab Schwarzenbach findet man auf dem Friedhof Horgen, gerade unterhalb des Gärtnerhauses an der Mauer rechts von dieser. Mehr zu maillard findet man im Buch » Die geborene «

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