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Unterfinanzierte Hospize

Der Dachverband Hospize Schweiz hat anfangs Jahr das Dossier «Hospize brauchen eine Finanzierung» herausgegeben. Zentrale Botschaft: Das derzeitige Tarifsystem reiche nicht aus, eine stationäre, spezialisierte Palliative Care bis zum Lebensende zu finanzieren.

Im Vorwort wird ein «unhaltbarer Zustand» angeprangert: «Während die Kosten für einen Spitalaufenthalt für Patienten praktisch vollumfänglich gedeckt sind, müssen im Hospiz Pensions- und ungedeckte Betreuungskosten als Privatanteil nach wie vor aus eigenen Mitteln bezahlt werden – selbst bei klarer ärztlicher Indikation für die Hospizversorgung.»

Im Dossier wird dieser «unhaltbare Zustand» allgemein verständlich erläutert.

Warum braucht es Hospize?

Hospize als stationäre Einrichtungen mit Spezialisierter Palliative Care begleiten Menschen mit unheilbaren, komplexen Erkrankungen und absehbarer Lebenserwartung. Pflegeheime bieten nur eine Grundversorgung an und im Spital ist die Aufenthaltsdauer auf 21 Tage begrenzt, auch in Palliativabteilungen. Mobile Spitex-Dienste können mit der Unterstützung von Angehörigen nur bis zu einem gewissen Komplexitätsgrad beigezogen werden. Diese Versorgungslücke schliessen Hospize.

Aussenansicht des Hospizes Zentralschweiz, in welchem das Dossier «Hospize brauchen eine Finanzierung» unter der Leitung von Sibylle Jean-Petit-Matile entstanden ist (Foto © Margherita Delussu)

Aufnahmekriterien

In ein Hospiz kann jemand nur aufgenommen werden, wenn die Erkrankung fortgeschritten und unheilbar ist, wenn der Krankheitsverlauf und das Krankheitsbild komplex sind und die Lebenserwartung absehbar ist.

Qualitätsmerkmale

Zertifizierte Hospize arbeiten in Teams von Ärzten, Pflegenden, Therapeuten, Seelsorgern, der Hotellerie und Freiwilligen multiprofessionell und interdisziplinär eng zusammen. Der Personalschlüssel ist höher als in der Pflege und die ärztliche und qualifizierte pflegerische Versorgung ist jeden Tag rund um die Uhr gewährleistet.

Teamsitzung

Zusammenarbeit mit anderen Institutionen

Hospize arbeiten eng mit den Palliativstationen von Spitälern zusammen: Während in Spitälern Akutsituationen stabilisiert werden, übernehmen Hospize die weiterführende stationäre Versorgung mit Spezialisierter Palliative Care.

Solange eine Grundversorgung genügt und ein stationärer Aufenthalt passend ist, leisten Pflegeheime wertvolle Arbeit. Eine Verlegung in ein Hospiz ist aber sinnvoll, wenn die Grundversorgung wegen der komplexen Krankheitssituation unzureichend ist, und Wissen, Strukturen und personelle Ressourcen der Spezialisierten Palliative Care nötig werden.

Ebenso ist die Zusammenarbeit zwischen Hospizen und mobilen Palliativ-Care-Diensten angezeigt, etwa wenn eine häusliche Betreuung zu Überlastungen von Betroffenen und Angehörigen führt und eine Spitaleinweisung vermieden werden will.

Mona Vetsch begrüsst einen 45-jährigen Patienten mit einer schweren Lungenerkrankung.

Kosten im Hospiz sind tiefer

Spezialisierte Palliative Care in einem Hospiz ist bedeutend günstiger als in einem Spital: «Die Vollkosten für einen Tag betragen aktuell rund CHF 750.-, im Spital sind sie mehr als doppelt so hoch, nämlich rund CHF 1’650.- pro Tag!» Die niedrigeren Kosten sind vor allem darauf zurückzuführen, dass Patienten in Hospizen den palliativen Weg beschreiten und nur Behandlungen, die sinnvoll und erwünscht sind, vollzogen werden.

Die 67-jährige Heidi Steiner auf die Frage, wie es ihr gehe: «Ich bin jetzt in Frieden.»

Bedarf an Hospizen

Zurzeit gibt es in der Schweiz 35 zertifizierte, aber unterfinanzierte Hospizbetten. Dazu kommen 14 Hospizbetten im Wallis, die durch den Kanton finanziert werden. In den nächsten Jahrzehnten steigt der Bedarf an Hospizbetten wegen der Zunahme älterer Menschen auf rund 300. Deswegen ruft der Dachverband Hospize Schweiz dazu auf, Hospize besser zu finanzieren.

Seniorweb stellte Dr. med. Sibylle Jean-Petit-Matile, Präsidentin des Dachverbandes Hospize Schweiz und Ärztin des Hospizes Zentralschweiz dazu vier Fragen.

Seniorweb: Für wen braucht es einen Platz in einem Hospiz für die Begleitung am Lebensende?

Sibylle Jean-Petit-Matile: Wie Sie es oben bereits ausgeführt haben, brauchen Menschen mit einer fortgeschrittenen, unheilbaren Erkrankung und einer absehbaren Lebenszeit von wenigen Wochen einen Platz in einem Hospiz, wenn die häusliche Betreuung nicht möglich ist. Auch die Angehörigen werden im Hospiz mitbegleitet, durchleben sie doch oft schwierige Zeiten bereits vor dem Eintritt in ein solches Haus.

Warum sind Hospize unterfinanziert?

Dr. med. Sibylle Jean-Petit-Matile (Foto © Margherita Delussu)

Hospize haben den sogenannten «Pflegeheimstatus», das heisst, dass die Finanzierung analog einem Pflegeheim gewährleistet ist. Nur aus einem einzigen Grund sind die Hospize «Pflegeheime»: damit die Patienten zeitlich unbegrenzt bleiben können! Die gebotenen Leistungen der verschiedenen Berufsvertreter entsprechen denen eines Spitals.

Wer sollte was tun, um die Arbeit in den Hospizen besser zu finanzieren?

Die Schweizer Hospize brauchen einen eigenen Status! Sie sind quasi der Gegenpol zu den Geburtshäusern, die im KVG verankert sind. Dahin gehören auch die Hospize. Dann kann eine Finanzierung so gestaltet werden, dass die Defizite kleiner und die Patienten von den Pensionskosten befreit sind, wie in einem Spital.

Wer hat den Dachverband in seiner Forderung bisher unterstützt und von wem erwartet der Verband weitere Unterstützung?

Der Dachverband Hospize Schweiz (DVHS) arbeitet eng mit palliative.ch zusammen sowie mit Leistungserbringern der Spezialisierten Palliative Care in mobilen Diensten und Palliativstationen der Spitäler.

Für die Finanzierungsfrage ist sicher der Bund gefordert, da auf dieser Ebene die Gesetzesanpassung stattfinden kann. Bis das so weit ist, nimmt der Bund die Kantone in die Pflicht, die Übergangszeit zu finanzieren, was leider nur zögerlich und nicht in vollem Umfang oder gar nicht geschieht.

Wir erwarten daher vom Bund endlich konkrete Lösungen, wie wir sie vorgeschlagen haben. Dass die Finanzierung wichtig ist, wurde bereits 2009 (!) festgehalten. Noch mehr Geduld zu erwarten, ist daher schwer zumutbar.

(Das Interview wurde schriftlich geführt.)

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Das Titelbild (Foto © Margherita Delussu) lässt die schöne Atmosphäre im Hospiz Zentralschweiz erahnen.

Weitere Fotos: Screenshots von bs aus der SRF-Serie «Mona mittendrin»: Abschied im Hospiz – Ein würdevolles Leben bis zum Tod.  

Links:

 Artikel zu Palliative Care im Seniorweb:

 

 

 

 

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