FrontGesellschaftRire c'est bon pour la santé

Rire c’est bon pour la santé

Mit dem Satz «Rire c’est bon pour la santé» hat sich vor Jahren Bundesrat Johann Schneider-Ammann an einem Tag der Kranken an die Nation gewandt. Der Satz ging unter die Haut und bleibt aktuell.

Deshalb erzähle ich auch alle einschlägigen Witze, die mir zugeleitet werden, sofort weiter. Sie dürfen auch doof sein. Beispiel gefällig? «Wer über mehr als zehn Rollen WC-Papier verfügt, gilt als öffentliche Toilette!». Oder: «Hans und Vreni nehmen im Jahr 2050 die letzte WC-Rolle in Betrieb, die sie aus dem Nachlass ihrer Grossmutter geerbt haben».

Ein bisschen Luxus darf schon sein in dieser Krisenzeit. (b.r.)

Sollten Sie über weitere Beispiele in dieser Preislage verfügen, ich übernehme sie gerne und leite sie weiter.

Empfehlungen befolgen

Mitten in der Stadt wohnend, setze ich als Angehörige der Risikogruppe praktisch keinen Fuss mehr vor das Haus. Ich will doch den Bundesrat nicht desavouieren. Seine Weisung ist klar: «Wenn Sie älter als 65 Jahre sind … empfehlen wir Ihnen dringend, zuhause zu bleiben». Ausser, ich müsste arbeiten gehen. Trifft nicht zu. Ausser, jemand würde meine Hilfe benötigen. Trifft nicht zu. Ausser, ich müsste zum Arzt, zur Ärztin oder zum Apotheker gehen. Trifft nicht zu. Ausser, ich müsste Lebensmittel einkaufen. Trifft gar nicht zu! Eine jüngere Kollegin holt via Mail meine Bestellungen ein und bringt mir die vollgepackten Papiertaschen. Wir unterhalten uns unter der Haustüre, mit mehr als zwei Meter Abstand. Das ist nötig. Denn wir lachen viel. Und sind wir denn so sicher, dass die Sprungweite des Virus nur zwei Meter beträgt?

Verzicht

Jetzt bin ich also auf mich selbst gestellt, auf mich selbst zurückgeworfen, wie Philosophinnen und Philosophen sagen würden. Ja, so ganz einfach ist die Umstellung von einem nach aussen gerichteten Leben auf ein privilegiertes Eremitinnen-Dasein nicht. Was musste ich in meiner Agenda nicht alles streichen! Den wöchentlichen Stamm am Mittwochmorgen, das Mittagessen mit alten Bekannten, die Englischstunde, das Referat bei einer Gruppe «ü80» und weiteres. Die häufige Einkehr ins Kaffeehaus mit vielen Zeitungen fällt weg. An Ausflüge nach Zürich, Basel, Bern oder Chur ist schon gar nicht mehr zu denken.

Die Kontakte werden aber weiter gepflegt. Es gibt lange Telefonate, es gibt interessante Mails, es gibt aufmunternde SMS. Bin ich doch froh, dass ich mich schon vor Jahren mit der elektronischen, der digitalen Welt befasst habe.

Das Geld muss arbeiten

Kürzlich rechnete mir eine Kollegin am Telefon vor, wieviel Geld wir jetzt sparen, weil wir nicht mehr Kaffee trinken oder auswärts essen gehen. Da kam mir sofort der Slogan in den Sinn, den unsere Kantonalbank vor Jahren einmal verbreitet hat: «Ihr Geld muss arbeiten». Aber wie sollte ich denn das «gesparte» Geld am sinnvollsten wieder in den volkswirtschaftlichen Kreislauf einschleusen? Die gute Idee kam von einer Bekannten, die mir, welche Überraschung, einen Frühlingsblumenstrauss brachte. Natürlich, Blumen bereiten Freude, können im Blumengeschäft bestellt werden und werden vor die Haustüre geliefert.

Galgenhumor hilft über manch ein seelisches Tief hinweg.

Und dann las ich, dass Hansjörg Schneider seinen Kommissar Hunkeler den zehnten Fall lösen lässt. Auch die Buchläden sind immer noch per Telefon oder online erreichbar. Und der junge Velokurier freut sich über jedes Päckli, das er in Windeseile durch die Stadt fahren kann.

Dank

Ich bin sehr privilegiert. Darum gehen meine Gedanken umso intensiver an alle, die in unserem Lande Verantwortung tragen. An alle, die gesundheitliche Sorgen haben oder deren wirtschaftliche Existenz gefährdet ist. An alle, die Kranke versorgen und das öffentliche Leben am Laufen halten. Homeoffice, homeschooling, sind da Stichworte. Ich hoffe, dass ihnen die gesammelten guten Gedanken der Dankbarkeit, die ihnen von überall her zufliegen, immer wieder neue Kraft und neuen Elan geben, auch bis an die Grenzen ihrer Möglichkeiten zu gehen!

Blick in die Welt

Dies alles betrifft die Schweiz. Wenn ich über die Landesgrenzen hinausblicke, packt mich das kalte Grausen. Die Medien versorgen uns täglich mit Anschauungsmaterial. Mögen die hehren Worte all der zuständigen Politiker weltweit noch so wohl gewählt tönen. Wie wollen sie denn alles umsetzen, was sie jetzt versprechen? Wie wollen sie die Menschen «schützen», die in Massen aus den Millionenstädten nach Hause strömen, weil der karge tägliche Verdienst weggebrochen ist? Wie fahren sie ein schlecht entwickeltes Gesundheitswesen plötzlich hoch? Tausend Fragen stellen sich. Befriedigende Antworten gibt es keine.

Blick in die Zukunft

Es ist schwierig einzuordnen, was gerade jetzt mit der Welt und ihren Bewohnerinnen und Bewohnern passiert. Es gibt auch Positives zu vermelden. Die Umwelt scheint sich, weil weniger belastet, zu erholen. Ärzte vermelden einen Rückgang der sogenannten Zivilisationskrankheiten. Mitmenschlichkeit, Solidarität, Kreativität schiessen aus dem Boden. Und wenn die Bedrohung vorbei ist? Was machen wir dann?

Ich habe eine Idee! Uns eröffnet sich die einmalige Chance, unser Bruttoinlandprodukt neu zu definieren! So, wie es Alexander Dill in seinem Buch «Die Welt neu bewerten» beschrieben hat. Der monetären Bewertung der Länder stellt er eine Alternative gegenüber, die er «Sozialkapital» nennt. Vertrauen, Solidarität, Hilfsbereitschaft bilden die Grundlagen für den Zusammenhalt eines Landes.

Worauf warten wir noch? Packen wir es an!

Alexander Dill: «Die Welt neu bewerten. Warum arme Länder arm bleiben und wie wir das ändern können». 2017 oekom Verlag München. ISBN 978-3-96006-843-0

Link auf die Besprechung auf SW 31.12. «Neues Jahr, alles neu»


In loser Folge schildern unsere Redaktionsmitglieder, wie sie wegen der Corona-Krise das zu Hause sein erleben und wie sie damit umgehen. Hier die Links zu bereits erschienenen Beiträgen: 

3 Kommentare

  1. Ich habe mich soeben für den Newsletter angemeldet und wohl einen Tippfehler im Familiennamen gemacht. Ihre prompte Bestätigung lautet auf Nosslé, korrekt ist jedoch Nisslé. Darf ich Sie um Korrektur bitten und auch meinen vor Absenden der eMail nicht bemerkten Fehler zu entschuldigen.
    Herzlichen Dank, Heidi Nisslé

  2. Guten Abend Frau Nisslé
    Wir haben Ihren Namen angepasst.
    Sie können Ihre Einstellungen übrigens auch ändern wenn Sie im Newsletter ganz unten auf
    «Wenn Sie Ihre Einstellungen anpassen wollen, klicken Sie hier.» klicken.
    Wir wünschen Ihnen schöne Ostern.

  3. Judith Stamm spricht mir aus dem Herzen, mir geht es genau gleich. Und sie schreibt, wie viel Geld wir sparen, wenn wir nicht mehr auswärts essen auswärts Kaffee trinken, von den anderen Aktivitäten (Ausflüge, Reisen, Kino, Konzerte, Massage usw.) ganz zu schweigen. Wir haben uns darum entschlossen, das so eingesparte Geld am Nationalen Solidaritätstag der Glückskette zu spenden.

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