FrontKulturEinmaliges Zusammenspiel von Natur und Kunst

Einmaliges Zusammenspiel von Natur und Kunst

Jährlich packen wir Schweizer im Durchschnitt dreimal die Koffer, um in die Ferien zu verreisen. Dieses Jahr ist alles anders. Die Corona-Pandemie durchkreuzt unsere Reisepläne. Aber warum überhaupt verreisen? Auch in der Schweiz kann man Orte frei von Stress und Monotonie geniessen, zum Beispiel das Kloster Schönthal inmitten urtümlicher Juralandschaft am Fuss des Belchens, ein Zentrum zeitgenössischer Skulpturenkunst.

Müssen wir in die Ferien fahren, egal um welchen Preis? Mitnichten. Auch mit Tagesausflügen kann man die Suche nach einer Auszeit befriedigen. Und es gibt viele Gebäude, Plätze, Seen und Berge in unserem Land, die vom unsäglichen Massentourismus verschont sind. Ein solcher Ort ist das Kloster Schönthal, ein ehemaliges Benediktinerkloster nordöstlich des Passdorfes Langenbruck im Kanton Basel-Landschaft. Das Kloster zählt seit 2000 zu den anerkannten europäischen Orten für zeitgenössische Skulpturenkunst.

Ein Outdoor-Museum, das jederzeit zugänglich ist

Das ehemalige Kloster mit der romanischen Klosterkirche wurde im 12. Jahrhundert erbaut und erstmals 1146 in einer Urkunde erwähnt. Heute befindet es sich in Privatbesitz und ist denkmalgeschützt. Es wurde seither renoviert und ist heute ein spiritueller und kultureller Begegnungsort mit Wechselausstellungen und einer Galerie. Im historischen Ensemble laden Räume für Seminare, Symposien und Kamingespräche, eine Herberge mit einer authentischen Klosterküche zum ungestörten Übernachten ein. Im Gelände um das Kloster wurde ein weitläufiger Skulpturenpark mit zeitgenössischer Kunst angelegt, der jederzeit zugänglich ist. Das Kloster erreicht man mit dem Postauto bis Langenbruck Post oder Langenbruck Unterdorf, von dort ist es in ca. 20 Minuten zu Fuss zu erreichen. Für Besucher mit dem Auto steht ein Parkplatz zur Verfügung.

Das Kloster Schönthal ist heute ein spiritueller und kultureller Begegnungsort. 

Eigentümerin der Klosteranlage ist die Stiftung Edith Maryon, die 2018 mit der Stiftung Sculpture at Schoenthal fusionierte. Verantwortlich für die Gestaltung der Kunst- und Kulturprogramme und den gesamten Kultur- und Herbergebetrieb ist der neugegründete Verein Kloster Schönthal unter der Leitung von John Schmid, der das Klostergut 1986 gekauft und in der Folge renoviert hatte. John Schmid, ein erfolgreicher Werber, und seine 2001 gegründete Stiftung Sculpture at Schoenthal haben den Ort zu einem Gesamtwerk ausgebaut, in dem seit 2015 auf dem Hofgut auch die Förderung von Biodiversität und Artenvielfalt ihren Platz hat. Diese wird durch eine namhafte Fachgruppe aus dem Landschafts- und Naturschutz begleitet.

In seinem Klosterbrief vom Oktober 2019 an die Vereinsmitglieder und Gönner schreibt John Schmid: «Seit 2015 ist auf den 100 Hektaren eine biologische Vielfalt eingezogen. Über 60% mehr Tagfalter bevölkern die Bachsäume. Ein Paradies auch für Wildbienen. Und von BirdLife wurden 59 Brutvogelarten festgestellt. Hinter neuen Holzzäunen und Bruchsteinmauern bimmeln, blöken und grunzen gesunde Zaungäste».

Kunstwerke zwischen Wiesen, Wald und Bächen

Anziehungspunkt ist weniger die Artenvielfalt als vielmehr der Skulpturenpark. Ausgangspunkt für Kunstspaziergänge ist die romanische Klosterkirche mit einer Galerie für wechselnde Ausstellungen. Gegenwärtig ist die mehrfach prämierte Künstlerin Andrea Wolfensberger mit Werken im Kirchenraum, im Klosterhof und im Abtzimmer vertreten. Es sind Werke aus Wellkarton und Faserzement, die von einem rhythmischen Auf und Ab zeugen. Zu sehen ist auch eine Serie von Bleistiftzeichnungen. «Partituren» nennt Andrea Wolfensberger die Serie, die Klänge verschiedener Vogelstimmen wiedergibt.

Eine 16 Meter lange visualisierte «Tonspur» aus Wellkarton von Andrea Wolfensberger.

In der hügeligen Natur rund um das Kloster sind über 30 Skulpturen und Installationen platziert. Jeder der hier vertretenen Künstler hat eine Weile im Kloster residiert, die Landschaft auf sich wirken lassen und dann sein Kunstwerk für diesen Ort geschaffen. Die Kunstwerke sind zwischen Wiesen, Wald, Brombeerhecken und Bächen verstreut. Viele davon scheinen mit der Natur zu verschmelzen, beispielsweise die verkohlten Eichenbalken des Briten David Nash, die den steilen Aufstieg zu Beginn des Skulpturenparks säumen. Vertreten sind lauter bekannte Künstlerinnen und Künstler, so Hans Josephson, Peter Kamm, Kurt Sigrist, Roman Signer, Miriam Cahn, Nigel Hall, Martin Disler, Richard Long, Steiner & Lenzlinger, Not Vital, Gottfried Honegger, um nur einige zu nennen. Rund anderthalb Stunden muss man für den Rundweg durch den Skulpturenpark rechnen. An der Kasse beim Kloster kann man einen Wegplan kaufen, auf dem die Standorte der Kunstwerke verzeichnet sind.

Kunstwerke, verstreut in hügeliger Landschaft. Oben: «Häutung und Tanz»  von Martin Disler. Unten: «Soglio» von Nigel Hall. (Fotos: zvg)

Geboten wird im Kulturort Schönthal ein einmaliges Zusammenspiel von Natur und Kunst sowie eine herrliche Stille fernab von Hektik und Massenströmen. Das Kloster ist auch ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen in der urtümlichen Juralandschaft.

Hier finden Sie alle bisher erschienenen Beiträge zur Serie Sommer trotz allem der Redaktionsmitglieder:

Bernadette Reichlin: Sommer ohne Ferien – geht das?
Ruth Vuilleumier: Mit Oma ausfahren
Maja Petzold: Träumereien unter der Himmelskuppel
Eva Caflisch: Aus der Not ein Hobby machen 

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