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Aus heiterem Himmel

Wer Weihnachten mehrmals erleben will, greift zum neuen Buch «Aus heiterem Himmel» von Rolf Probala, illustriert von Jals Smolinski.

Im Stall von Betlehem herrscht helle Aufregung. Die Hirten reden wirr durcheinander, die Heiligen Drei Könige schütteln besorgt ihre Häupter. Josef gestikuliert mit seinem Stock. Maria blickt verstört vor sich hin, Esel und Ochs kauen nicht mehr und selbst der Stern auf dem Dach erlischt langsam. Im Stall beginnt sich Panik breitzumachen, als endlich der Erzengel Gabriel erscheint. «Was ist hier los?», fragt er in die fassungslose Runde.

Diese Schilderung entnehme ich dem Buch von  Rolf Probala, der die Leser warnt: «Achtung. Dieses Buch erzählt 16 Mal die Weihnachtsgeschichte. Doch jedes Mal nimmt sie eine unerwartete Wende.»

So zum Beispiel im Jahre 2009. Der Bundesrat in Bern hatte beschlossen, drei Vertreter der Landesregierung zum Stall in Bethlehem zu entsenden. Verkehrsminister Moritz Leuenberger würde dem Jesuskind ein Generalabonnement der SBB überreichen. Ueli Maurer nahm ein Schweizer Armeemesser mit und Hans-Rudolf Merz würde dem Kind einen Göttibatzen in Form je einer Fondseinlage von UBS und Credit Suisse überreichen.

Sie reisten getrennt. Bundesrat Leuenberger nahm den Orientexpress nach Istanbul und fuhr mit der Bagdadbahn und Palestine Railways nach Bethlehem. Ueli Maurer flog mit der Swiss nach Tel Aviv, von wo ihn der Schweizer Botschafter nach Bethlehem bringen sollte, und Finanzminister Merz nahm das Bundesratsflugzeug.

Wie und ob sie in Bethlehem angekommen sind, schildert Probala im Kapitel «Die Reise nach Bethlehem». Nur so viel sei verraten: Moritz Leuenberger soll in Jerusalem in den falschen Bus gestiegen sein.

Auch bei der Geburt des Jesuskindes ging einiges schief. So wurden Maria, Josef und das Kind vermisst. Die Krippe war leer. Und auch vom Esel fehlte jede Spur. Den Hirten liess Gabriel die Schnapsflaschen nachfüllen. Ein Softwarefehler im Volkszählungsprogramm führte zu den Unstimmigkeiten. Wie die Heilige Familie wohl die Weihnachtsnacht verbracht hat, liest man im Kapitel «Die Geburt».

Im Kapitel «Die Erlösung» schildert der Autor die grosse Aufregung im Stall. «Etwas Unglaubliches war geschehen. Das heilige Kind, das Maria eben geboren und in die Krippe gelegt hatte, war ein Mädchen. ‘Was sollen wir jetzt tun?’ schluchzte Maria und schlug vor, sich mit Kind und Mann durch die hintere Stalltüre davonzumachen. Josef verwarf die Arme und rief nach dem Engel Gabriel.» Auch hier fand Probala eine salomonische Lösung.

Als die Zahl der Seelen schwanden, trat der himmlische Rat zusammen. Und er stellte fest, dass nicht etwa die Hölle daran schuld sei, sondern die Muslime und Buddhisten. Man wollte die Führungsposition unter den himmlischen Paradiesen behalten. Bei einer Diskussion meldete sich Maria: « Auf den Stall, die Krippe, den Ochs und den Esel, die Hirten und die himmlischen Heerscharen sollten wir auf keinen Fall verzichten. Weihnachten ist unser Markenzeichen, das uns von allen anderen unterscheidet!» Und nach kurzer Pause fügte sie hinzu. «Den Josef können wir von mir aus ja wegsparen».

Probala weist im Buch darauf hin, dass der Ausgangspunkt der verschiedenen Geschichten immer die Erzählung mit den Hirten, dem Engel und dem Stern ist. «Nur werden die Motive der Erzählungen neu gemischt und die Akteurinnen und Akteure der Geschichte gehen ungewohnte Wege. Was dabei herauskommt, ist witzig und provokativ, aber niemals plump.»

Rolf Probala, lic. phil I, Jahrgang 1946, Ethnologe, war langjährige Radio- und Fernsehjournalist bei SRF, unter anderem als Redaktionsleiter der Tagesschau und Moderator der Sendung Sternstunde. Später war er Kommunikationschef der ETH Zürich. Seit 2006 arbeitet er als selbstständiger Kommunikationshandwerker mit Schwerpunkt populäre Wissenschaftsvermittlung, Videoproduktion und Moderatio

 

 

 

 

 

Das Buch illustriert hat Jals Smolinksi, Jahrgang 1938, der als freischaffender Künstler und Cartoonist in Küssnacht SZ lebt.

 

 

 

 

 

Das Buch vom TVZ-Verlag: ISBN 978-3-290-18335-6


Hier finden Sie bereits veröffentlichte Beiträge der Serie „Weihnachtsgeschichten“, verfasst von den Redaktionsmitgliedern:

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