Uschi Looser wohnt in einer Alterswohnung im Dorfkern von Spreitenbach. Das neu erbaute Gebäude aus Holz mit dreiundzwanzig Wohnungen war im November 2022 bezugsbereit. Sie gehörte zu den ersten Mietern. Seniorweb hat sie besucht.
Nach einer Krebserkrankung musste sich Uschi Looser neu orientieren. Den rechten Arm konnte sie nicht mehr gut bewegen und das Gehen machte Mühe. Sie lebte allein in einem Einfamilienhaus und brauchte Unterstützung im Garten und bei der Reinigung im Haus. Als sie vom geplanten Neubau der Alterswohnungen in Spreitenbach hörte, meldete sie sich sofort an, ohne Rücksprache mit der Familie. Diese meinte, dass sie doch immer für sie da sei. Doch Uschi wollte unabhängig bleiben. Sie liess die Pläne kommen und besichtigte die Wohnungen noch im Rohbau. Und eine gefiel ihr besonders gut.
Holzbau mit 23 Alterswohnungen in Spreitenbach. Ein zweiter Bau ist in Planung.
In dieser Wohnung lebt sie heute als 84-Jährige: im obersten Geschoss des dreistöckigen Holzgebäudes. Aus einem Fenster sieht sie den benachbarten Bauernhof, Pferdeweiden, den alten Dorfkern und den Wald und aus dem anderen das nahe Shoppingcenter. Sie lebt zwischen Idylle und Stadtleben, was für die Agglomeration typisch ist. Bis vor kurzem war sie mit dem eigenen Auto unterwegs. Nun hat sie es abgegeben und hofft auf das Elektro-Seniorenmobil, das im Haus zur Verfügung steht. Dafür braucht sie aber noch eine Fahrstunde.
Das Holzgebäude mit dreiundzwanzig Alterswohnungen steht auf dem Areal des Alters- und Pflegeheims im Brühl (APH). Wenn man nicht mehr eigenständig leben kann, ist es möglich, ins Altersheim hinüberzuziehen. Uschi belegt eine zweieinhalb Zimmer-Wohnung. Aber für Paare es gibt auch dreieinhalb Zimmer-Wohnungen. Sie zahlt 1630.- Franken Miete im Monat, was für die Gegend sehr günstig ist. Trotz physischer Einschränkungen kann sie selbständig haushalten: Sie kocht gerne, auch putzen geht, nur die Fenster lässt sie einmal jährlich reinigen. Sie hat eine eigene Waschmaschine in der Wohnung, obwohl eine im Keller für alle zur Verfügung steht. Bei Bedarf kann sie auch verschiedene Dienstleistungen vom Altersheim in Anspruch nehmen, eine Liste mit Preisangaben liegt vor.
Backsteinbau mit dem Alters- und Pflegeheim im Brühl (lks), Holzbau mit den Alterswohnungen (rts).
Die Gastronomie des Alters- und Pflegeheims im Brühl hat einen guten Namen. Der Sternekoch ist für seine gehobene und doch preiswerte Küche bekannt. Viele Auswärtige essen hier oder feiern ihre Familienfeste. Uschi kommt mitunter mit Gästen hierher, muss aber vorher, wie in einem Restaurant, einen Tisch reservieren lassen.
Alle Bewohner im Alterswohnhaus stammen aus Spreitenbach. Man kennt sich und ist per Du. Uschi fühlt sich hier sehr wohl. Am Donnerstagabend trifft man sich im Gemeinschaftsraum, bringt Getränke und Knabbereien mit und tauscht sich aus. Bei schönem Wetter kann man auch draussen sitzen. Eine besonders initiative und kreative Mitbewohnerin schmückt das Haus mit Blumen und organisiert kleinere Anlässe wie etwa einen Brunch oder einen Grillabend. Die meisten machen mit, wenige halten sich abseits.
Vom Altersheim aus fährt ein kleiner Bus ins Shoppingcenter. Da Uschi keine schweren Taschen tragen kann, bestellt sie die Lebensmittel online bei Migros oder Coop. Die Einkäufe werden ihr dann an die Wohnungstüre geliefert. Computer und Handy sind dabei wichtige Hilfsmittel. Wenn sie die Spitex braucht, organisiert sie diese selbst und schickt die Quittung der Krankenkasse. Solange es geht, will sie hierbleiben – den Umzug hat sie nie bereut.
Uschi Looser am Tisch in ihrer Küche
Auf die Frage, ob sie immer in Spreitenbach gelebt hat, verneint sie. Geboren ist Uschi Looser 1942 in Zürich, die Mutter kam aus Italien, der Vater aus Steffisburg im Kanton Bern. Und aufgewachsen ist sie im zürcherischen Schlieren. Als Schulkind sang sie zeitweise im Chor der Schlieremer Chind, einzelne Lehrer gehörten dem Cabaret Rotstift an.
Eigentlich wollte sie Krankenschwester werden, was damals aber erst ab 18 Jahren möglich war. So machte sie eine Lehre als Verkäuferin und arbeitete danach während fünf Jahren bei einer Bank in Zürich. Auf Wunsch der Mutter zog sie nach Schlieren zurück, wo sie eine Stelle in einem Büro fand. Hier lernte sie ihren Mann Manfred Looser kennen. Die beiden heirateten und bekamen einen Sohn. 1966 zog die Familie nach Spreitenbach, anfänglich in eine Wohnung, später in ein Einfamilienhaus. 1996 starb ihr Mann und Uschi lebte während sechs Jahren allein, bis sie wieder einen Lebenspartner fand, der 2012 starb.

Früher engagierte sich Uschi Looser aktiv in der Gemeinde. Obwohl sie reformiert ist, holte man sie in den Vorstand des Katholischen Frauenvereins, «der Herrgott hat alle gern», hiess es. Zudem war sie lange Zeit Mitglied der Kirchenpflege der reformierten Kirche Spreitenbach-Killwangen. Mit dem Projekt Generationen im Klassenzimmer der Pro Senectute wurde sie «Schul-Grossmutter» und unterstützte Lehrpersonen, Seniorweb hat darüber berichtet.
Da sie zudem gerne malte, besuchte sie während mehrerer Jahre den Malunterricht bei der Künstlerin Magdolna Keel in Killwangen. Doch heute malt sie nicht mehr und macht sich Gedanken, vielleicht wieder einmal als «Schul-Grossmutter» tätig zu sein. «Das war doch eine so schöne Zeit», sagt sie.
Fotos: rv
Alterswohnungen im Brühl, Spreitenbach
Alters- und Pflegeheim im Brühl (APH), Spreitenbach

