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Italienischer Charme in Südtirol

Städte wie Bruneck oder Bozen wirken jugendlich und lebendig, die Strassencafés laden zum Verweilen ein und der älteste Südtiroler hat die Region zu Weltruhm gebracht.

Bruneck oder Brunico ist der Hauptort des Pustertals. In der quirligen Kleinstadt ist die Italianità spürbar, man wechselt die Sprache locker von Deutsch ins Italienische und umgekehrt – wie fast überall in Südtirol. Auf dem felsigen Hügel thront das Schloss Bruneck, das an unsere Aargauer Habsburg erinnert. Gegründet wurde das Schloss Bruneck Mitte des 13. Jahrhunderts vom Brixner Bischof Bruno von Kirchberg, der dem Verwaltungssitz gleich seinen eigenen Namen verpasste. In der Folge wurde das Städtchen Bruneck zum wichtigen Warenumschlagplatz zwischen Nord und Süd.

Schloss Bruneck aus der Ferne

Heute überlässt die Stadtverwaltung Bruneck das Schloss dem Extrembergsteiger Reinhold Messner. Im Juli 2011 eröffnete er hier sein Messner Mountain Museum Bergvölker, wo er die Lebensweise der Bewohner der wichtigsten Bergregionen zwischen Alpen und Himalaja, Anden und Afrika vorstellt. So spaziert man in kurzer Zeit von einer Kultur zur anderen, vertiefende Informationen sucht man vergeblich.

Zelt aus dem chinesischen Bergland in Reinhold Messners Mountain Museum in Bruneck.  

Bozen oder Bolzano, Südtirols Hauptstadt verströmt mit den zahlreichen Strassencafés und Märkten Leichtigkeit und italienischen Charme. Im Archäologiemuseum faszinierte mich Ötzi ebenso wie meine Kollegin Maja Petzold, die bereits darüber berichtete. Vier Etagen sind ihm gewidmet. Tanja Cassitti führte uns kompetent durch die zentrale Dauerausstellung mit der Mumie und deren Beifunde. Die Präsentation ist nur dank ausgeklügelter Konservierungstechniken möglich. So darf hier sicherheitshalber, ausser der Ötzi-Nachbildung, nichts fotografiert werden.

In Bozen laden die Marktplätze und Laubengänge zum Flanieren ein, zahlreiche Erker schmücken die Fassaden.

Die Gletschermumie ist die älteste Feuchtmumie der Welt und wird dem Publikum respektvoll gezeigt. Wie in einem Beerdigungsinstitut liegt sie in einer geschlossenen Kältekammer. Die Interessierten dürfen ein kleines Schiebefenster öffnen und für kurze Zeit einen Blick auf sie werfen. Der Notfallplan sieht vor, um die Kälte bei einem Stromausfall immer konstant zu halten: ein Notaggregat, zwei Reservezellen im Museum sowie eine im Spital Bozen. Zudem muss die Mumie von Zeit zu Zeit mit Wasser befeuchtet werden, damit sie nicht austrocknet. Die Fundgegenstände sind in Spezialvitrinen verteilt ausgestellt.

So hätte Ötzi aussehen können. Rekonstruktion im Archäologiemuseum Bozen. Er lebte zur selben Zeit, als auch die Steinstelen mit ersten Porträts in Europa, auch in dieser Gegend, hergestellt wurden. Unlängst konnte man sie im Landesmuseum in Zürich bewundern, wir berichteten darüber.

Ötzi kam aus gutem Hause, wie die feinen Hände und die aufwendige Kleidung, die Bärenfellmütze und die Unterhose aus Rindsleder zeigen. Die Beinlinge wurden aus kleinen Ziegenfellstücken mit Tiersehnen zusammengenäht, damit die Beine beweglich bleiben. Über den nackten Oberkörper trug er einen Mantel in kunstvollem Design, hergestellt aus sieben qualitativ unterschiedlichen Ziegenfellen.

Der 1991 entdeckte Mann aus dem Eis gehört zu den besterforschten Mumien der Welt. Man fand heraus, dass er etwa 3300 v. Chr. im Schnalstal oder Eisacktal aufgewachsen war, 45 Jahre alt wurde, 160 cm gross war, 50 kg wog, blaue Augen, Schuhgrösse 38 hatte und an Arthrose litt. 61 Tattoos zählt man an seinen Gelenken und am Körper, die der Schmerzlinderung dienten. Diese Einschnitte durchtrennten die Nervenbahnen und waren mit Asche desinfiziert worden, fanden die Forscher heraus.

Als Waffe trug er einen Bogen aus Eibenholz. Die vierzehn Pfeile waren noch nicht vollendet, denn mehrere der aufgefundenen Spitzen aus Feuerstein waren nicht daran befestigt, ebenso wenig das Gefieder am Pfeilende, um den Wurf zu stabilisieren. Das mitgeführte Beil blieb vollständig erhalten, die Kupferklinge aus südtoskanischem Erz ist mit Birkenteer im Holzgriff befestigt und mit Lederbändern gesichert. Zum Feuermachen trug Ötzi Zunderschwamm sowie in Ahornblätter eingewickelte Glut in einem Birkenrindengefäss bei sich. In seiner «Reiseapotheke» hatte er Birkenporling dabei, der entzündungshemmend und antibiotisch wirkt und bei Darmparasiten hilft.

Rekonstruktion von Ötzis Schuh. Bata Shoe Museum, Toronto, Ontario, Kanada. Foto: Daderot, Wikimedia Commons. Ötzis Schuhe bestanden aus einer Bärenledersohle, darüber eine Schicht wasserabweisendes Hirschfell, zusammengehalten von einem Schnurgeflecht. Das Stroh im Schuh wärmt wie Socken.

Viel älter als Ötzi sind hoch über Bozen die Erdpyramiden an verschiedenen Stellen im Wald.  Zu einzelnen dieser bizarren Landschaftsformen kann man zu Fuss von Bozen aus hinwandern oder sich mit der Luftseilbahn bzw. dem Bus nach Oberbozen hochfahren lassen und dort den bezeichneten steinigen Waldweg, den sogenannten Kaiserweg, hinuntergehen. Die Erdpyramiden gibt es seit etwa 25’000 Jahren und bestehen aus Moränenlehm, der beim Rückzug der Gletscher zurückgeblieben ist.

Erdpyramiden am Ritten im Wald unterhalb von Oberbozen.

Die Erdpyramiden bestehen aus kegelförmig aufgeschüttetem Lehm und einem darauf liegenden Felsbrocken. Im trockenen Zustand ist der Boden hier steinhart, aber sobald es regnet, weicht er auf, rutscht ab und bildet bis fünfzehn Meter hohe Steilhänge. Liegt ein Gesteinsbrocken auf der Erde, schützt er den Lehm darunter und das umliegende Material wird vom Regen abgetragen, dabei entstehen die Erdpyramiden. Aber sobald der Deckstein von der Pyramidenspitze herunterfällt, wird die Lehmsäule kleiner, löst sich mit der Zeit auf und neue Pyramiden bilden sich weiter oben am Hang.

Die Reise wurde vom Tourismusbüro IDM Südtirol-Alto Adige organisiert.
Titelbild: Obstmarkt in Bozen
Fotos: Ruth Vuilleumier

Teil 1: Ruth Vuilleumier: Südtirols Schätze entdecken
Teil 2: 
Maja Petzold: Auf alten Wegen
Teil 3: Ruth Vuilleumier: Italienischer Charme in Südtirol
Teil 4: Maja Petzold: Der unbeugsame Wille zur Autonomie
Teil 5: Ruth Vuilleumier: Kurstadt an der Passer
Teil 6: Maja Petzold: Brot, Wein, Äpfel und ein Highlight 

 

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1 Kommentar

  1. Ich nehme an, dass jedermann weiss, dass wir im Eringertal ähniche Erdpyramiden haben wie diejenigen in Ritten. Zu erreichen per Bus ab Sitten bis Haltestelle Euseigne Pyramides. Steigt man von dort den Berg hoch, kann man übrigens entweder dem Bisse d’Euseigne oder dem Ancien Bisse de l’Erneya entlang ins Val d’Hérémence wandern, zu den Bushaltestellen Mâche resp. Léteygeon.

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