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Südtirols Schätze entdecken

Südtirol ist ein attraktives Reiseland und wir hatten die Gelegenheit, verschiedene Teile dieser seit Jahrtausenden bewohnten Region kennenzulernen. Wir freuen uns, in mehreren Beiträgen davon zu berichten.

Für Wintersportler ist das Südtirol ein Paradies mit Bergen, Skipisten, Skiliften, Seilbahnen und ausgezeichneten Hotels. Maja Petzold und ich unternahmen unsere Reise anfangs Oktober und wählten die Route mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Nach Innsbruck und dem Brenner brachte uns der Bummler von Franzenfeste/Fortezza aus ostwärts durchs Pustertal nach Toblach oder Dobbiaco auf Italienisch auf 1256 m Meereshöhe.

Toblach, das Tor zu den Dolomiten

Toblach mit Blick auf die Dolomiten.

Eindrücklich begrüssten uns die Dolomiten, darunter die Drei Zinnen. Zwei Naturparks grenzen an das Gebiet von Toblach, wo sich eine grosse europäische Wasserscheide befindet. Der Toblacher See gehört hier zum beliebten Ausflugsziel. Berühmt sind in Toblach die Gustav Mahler Musikwochen. Der Komponist besuchte Toblach erstmals 1897 und lebte zwischen 1908-1910 im sogenannten Komponierhäuschen. Die meisten Besucher kommen jedoch zum Wandern, Biken oder Klettern hierher und im Winter besonders zum Langlaufen.

Der Kupferbergwerk Prettau im Ahrntal

Reste des Schmelzofens im alten Bergwerk Prettau im hinteren Ahrntal auf etwa 1400 m.ü.M.

Mein Wunsch war der Besuch des Kupferbergwerks Prettau im Ahrntal, nachdem ich bereits in Andalusien den Kupfer- und Erzabbau am Rio Tinto kennengelernt hatte sowie das Quecksilber und Zinnober Bergwerk in Almadén in Kastilien, beide seit der Antike bekannt, wir berichteten darüber. Das Bergwerk Prettau befindet sich zuhinterst im Ahrntal. Mehr als eine Stunde fährt der Linienbus von Bruneck aus ins Hochtal, wo es manchmal bereits schneit, während es unten noch warm und sonnig ist.

Die alte Grubenbahn im Berg.

Im Bergwerk werden wir mit Schutzhelm und Gummimantel eingekleidet, dann holpert die Grubenbahn neunhundert Meter tief in den Berg hinein, bei einer ständigen Temperatur von acht Grad. Die Schutzausrüstung erweist sich als nützlich, es tropft von den Felsen und man stösst den Kopf leicht an. Die kühle Luft ist so feucht und rein, dass heute in 1’100 m Tiefe ein Klimastollen eingerichtet ist, wo Personen mit chronischen Atembeschwerden während zehn Tagen zur Therapie kommen, jeweils zwei Stunden täglich, betreut von einer Physiotherapeutin.

Das Kupfererz wurde zuerst an der höchsten Stelle von aussen gewonnen. Als nichts mehr zu holen war, gruben die Bergleute bis ins 19. Jahrhundert sieben horizontale Stollen zur Erzader hin, jeder Stollen trägt den Namen eines Heiligen.

Erste gesicherte Nachrichten zur Bergbautätigkeit in Prettau gibt es aus dem Jahr 1426, erklärt der Guide. Doch schon in der Bronzezeit vor über 4000 Jahren soll hier nach Kupfer gesucht worden sein, wie eine 1864 im Bergwerk gefundene, aber wohl jüngere Streitaxt aus Bronze vermuten lässt. Die Erzader ist bis zu zehn Meter breit und führt 550 m in die Tiefe. Der erste Abbau hatte auf etwa 2000 m Meereshöhe begonnen, als das Erz noch an der Erdoberfläche sichtbar war. Anfänglich erreichte man die Ader mithilfe von Schächten, doch ab dem 15. Jahrhundert mussten vom Berghang her Stollen vorgetrieben werden. Ein solcher Vortrieb durch das harte Gestein konnte mitunter Jahrzehnte dauern, bis die Erzader erreicht war. Erst im 17. Jahrhundert setzte man Pixnpulver, Schwarzpulver ein, das den Abbau beschleunigte.

Bergleute bei der Arbeit. Der Stein ist hart, etwa ein Hut voll Erz konnte ein Knappe in einem Tag gewinnen.

Die Stollengänge sind durch Stützen aus Lärchenholz gesichert, angeblich kam es nie zu Katastrophen. Bis zu 90 m hohe Treppen mit 430 Stufen verbinden die Stollengänge miteinander. Die Arbeit im Berg erfordert grosse Präzision, die Knappen waren begehrt und wurden gut bezahlt, oft auch abgeworben. Im 17. Jahrhundert arbeiteten rund 80 Bergleute mit Frauen und Kindern im Bergwerk, davon profitierten etwa 1000 Personen im Tal.

Der Fels zeigt stellenweise das bunte Erzvorkommen, hier im Scheinwerferlicht.

Die Bergwerkbetreiber, die sogenannten Gewerken, stammten meist aus Adelsfamilien, die gegen Pachtzins das Abbaurecht vom Landesfürsten erhielten. Das Bergwerk Prettau wurde 1893 geschlossen, aber zwischen 1957 und 1971 wieder in Betrieb genommen, bis es aus ökonomischen Gründen nach 600 Jahren endgültig aufgegeben wurde. Zuletzt arbeiteten noch fünfunddreissig einheimische Knappen in den Stollen. Im elf Kilometer entfernten Dorf Steinhaus ist ein Bergbaumuseum eingerichtet, wo Grubenkarten, Fundstücke und Dokumente ausgestellt sind und das Leben unter Tage multimedial vorstellt wird.

Die Burg Taufers zwischen Ahrn- und Tauferertal

Die Burg Taufers ist so pittoresk, dass mehrere Filme hier gedreht wurden.

Vom Bergwerk Prettau bringt uns der Bus talwärts nach Sand in Taufers auf rund 957 m.ü.M., wo ein Felsvorsprung das Ahrntal vom Tauferertal trennt. Natürlich überwacht hier eine imposante Burg aus dem frühen 13. Jahrhundert die Herrschaft – etwa 800 Burgen stehen verteilt im ganzen Südtirol.

Porträt des zehnjährigen Schülers Sigismund Wolkenstein in Schloss Taufers, um 1560. Bild: Südtiroler Burgeninstitut.

Mit einer Führung können die Räume der Burg Taufers besichtigt werden: das Fürstenzimmer, Schlafgemächer, die Kapelle mit gotischen Fresken, Bibliothek, Rüstkammer, Gerichtssaal, Verlies, Folterkammer, sogar ein Geisterzimmer.

Im Rittersaal hat mich die Pendeluhr mit lediglich einem Zeiger von 1650 beeindruckt. Sie war ursprünglich an der Aussenwand im Innenhof befestigt und schlug nur zur vollen Stunde. Ebenso erstaunt haben mich die Kinderporträts im sogenannten Krankenzimmer. Hier wurden Mädchen und Knaben ab fünf Jahren aus noblen Tiroler Familien unterrichtet in einer von einer adeligen Dame geführten Schule nach der Mitte des 16. Jahrhunderts.

Die Reise wurde vom Tourismusbüro IDM Südtirol-Alto Adige organisiert.

Titelbild: Grandhotel Toblach mit den Dolomiten im Hintergrund
Fotos: Ruth Vuilleumier

Es folgt von Maja Petzold: Auf alten Wegen

2 Kommentare

  1. Ihr Beitrag über das Ahrntal hat mich sehr gefreut, denn mein Mann war Bürger von Prettau und ist in die Schweiz ausgewandert, was viele Südtiroler machten (Film: verkaufte Heimat) Leider waren sie nicht in Kasern mit dem heilig Geistkirchlein. Sehenwert und berühmt.

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