StartseiteMagazinLebensartMeran – Kurstadt an der Passer

Meran – Kurstadt an der Passer

Meran wurde dank Kaiserin Sisi zum Kurort der Hautevolee im 19. Jahrhundert. Neben der mittelalterlichen Stadt entstanden Palais, Promenaden, botanische Gärten und bis heute ein vielfältiges Kur- und Kulturangebot.

Kaiserin Elisabeth von Österreich, liebevoll Sisi oder Sissi genannt, hielt sich viermal zu längeren Kuraufenthalten in Meran auf. 1870 liess sie oberhalb von Meran im Schloss Trauttmansdorff die Räume für ihre kränkliche Tochter prunkvoll einrichten. Das Mädchen wurde innert weniger Wochen gesund. Die Wiener Klatschpresse verbreitete die gute Botschaft, lobte das milde, gesunde Klima, und Meran wurde schlagartig als Kurort in ganz Europa bekannt. Luxuriöse Hotels, Prachtbauten, das Kurhaus sowie das Stadttheater entstanden.

Büsten von Sissi zieren verschiedene Parks in Meran.

Meran wurde im 13. Jahrhundert von den Grafen von Tirol gegründet. Die Stadt verlor jedoch ihren Rang, als die Landesherren 1420 ihren Sitz nach Innsbruck verlegten. Kaiser Karl V. soll sich 1522 auf seinem Weg nach Süden am milden Klima von Meran erfreut haben. Doch die eigentliche Geburtsstunde des Kurorts geht auf das Jahr 1836 zurück, als der Stadtarzt eine wissenschaftliche Publikation über die klimatischen Vorzüge Merans verfasste.

Das Kurhaus von Meran wurde 1874 eröffnet. Der Kurort mit typischen Gebäuden des Fin de Siècle entging Mussolinis Italianisierung.

Meran wurde dank des mediterranen Klimas am Fusse der Alpen als Luftkurort berühmt. 1840 richtete man eine Kaltwasser-Heilanstalt ein. Von 1846 an entwickelte der Kurarzt und Botaniker Franz Tappeiner (1816-1902) neue Heilmethoden gegen Lungentuberkulose. Die Aristokratie sowie das Grossbürgertum aus ganz Europa kamen zur Kur, auch prominente Gäste aus Politik und Kultur, etwa Richard Strauss, Rainer Maria Rilke oder Franz Kafka.

Der Name des Kurarztes und Botanikers Franz Tappeiner ist in Meran omnipräsent.Der Lungenspezialist liess 1893 die heute fast 6 km lange Promenade über Meran auf seine Kosten anlegen. Das Denkmal auf dem Tappeinerweg erinnert an ihn.

2005 wurde eine neue Therme mit Spa, Wellness sowie einem medizinischen Bereich eröffnet. Doch bis heute wird die seit über hundert Jahren angewendete Traubenkur mit besonderen Meraner Kurtrauben angeboten, ebenso Bäder und Inhalationen mit dem radonhaltigen Wasser aus dem nahe gelegenen Berg Vigilijoch. Auch die Musik der 1855 gegründeten Kurkapelle gehörte zum Heilprogramm; bis 2005 hatte das Kurorchester Bestand. Heute finden im Sommer Konzerte mit international bekannten Musikern statt, literarische Veranstaltungen erinnern an die Dichter, die einmal zur Kur hierherkamen, zudem sorgen Veranstaltungen im Stadttheater und im Kursaal für kulturelle Abwechslung.

Wandelhalle in Meran. Hier trafen sich die Kurgäste im 19. Jahrhundert zur morgendlichen Molkenkur: Die Molke musste nüchtern «bei gleichmässigem Wandeln» im Freien genossen werden.

Schloss Trauttmansdorff, wo Kaiserin Elisabeth residiert hatte, wurde zur begehrten Unterkunft für Adelige und Betuchte der Habsburgermonarchie. Die historischen Räume sind heute restauriert und geben Einblick in die bewegte Geschichte des Schlosses und seiner Besitzer. Das Touriseum, das Südtiroler Landesmuseum für Tourismus, ist hier untergebracht, ein interaktives Museum, das durch 200 Jahre Tiroler Tourismusgeschichte führt.

Blick auf Schloss Trauttmansdorff und die Gartenanlage. Die Pflanzen und die Erde werden hier natürlich gestärkt und belebt mit Mitteln wie Algen- und Pflanzenextrakten, lebenden Mikroorganismen oder Komposttees, um sie widerstandsfähiger zu machen.

Der alte Schlosspark ist heute ein zwölf Hektar grosser botanischer Garten mit hundert Metern Höhenunterschied. Von Aussichtsplattformen aus sieht man die achtzig unterschiedlich angelegten Gartenlandschaften, die umliegende Bergwelt sowie die Stadt Meran. Geschwungene Wege führen durch exotische und mediterrane Sonnengärten. Treppen und Wasserläufe verbinden die verschiedenen Ebenen der Terrassen, von geometrisch angelegten Beeten bis hin zu einem Liebesgarten. Zuunterst liegt der Seerosenteich, umrahmt von über 200 Palmen, Kamelien und Azaleen.

Die bunt leuchtenden Zwergastern lassen den grauen, wolkenverhängten Himmel bei unserem Besuch vergessen.

Meran ist auch bekannt für seine Synagoge. Im Mittelalter hatten vorübergehend Juden hier gelebt. Doch erst in den 1830er Jahren liessen sich jüdische Kaufleute dauerhaft in Meran nieder. Eine deutliche Zuwanderung erfolgte in den 1870er Jahren, dabei förderten jüdische Ärzte den Kurbetrieb, Hotels für jüdische Gäste wurden eingerichtet, ebenso ein Sanatorium und der jüdische Friedhof. 1901 weihte man die Synagoge ein, nachdem die Betsäle in den Hotels für die Gläubigen zu klein wurden. In den 1930er Jahren lebten knapp 1000 Juden in Meran, Ärzte, Kaufleute, Intellektuelle und Künstler. Etwa 600 gehörten der 1921 gegründeten Kultusgemeinde an. Dank internationaler Verbindungen brachte der jüdische Tourismus wichtige kulturelle Impulse nach Meran.

Synagoge in Meran

Bereits 1931 soll es in Meran antisemitische Aktionen gegeben haben, denn ab diesem Zeitpunkt waltete hier eine NSDAP-Ortsgruppe mit Mitgliedern aus Reichsdeutschland. Dennoch fanden jüdische Flüchtlinge hier vorübergehend Schutz, bis Italien 1939 die antijüdische Gesetzgebung einführte. Nach der deutschen Besetzung Südtirols im Jahr 1943 wurden alle in Meran verbliebenen Juden inhaftiert und nach Auschwitz deportiert.

Stolperstein für David Apfel vor dem Haus Steinach 1 in Meran. Foto: Christian Michelides, Wikimedia Commons.

Dokumente über die Geschichte der jüdischen Gemeinde sind heute im Untergeschoss des Synagogengebäudes ausgestellt. Lange Zeit fehlten in der offiziellen Geschichtsschreibung die fünfzig Opfer des Holocaust aus Meran. Im Hof der Synagoge sind ihre Namen auf einer Steintafel eingraviert. Jüdische Rückkehrer nach Kriegsende gründeten eine neue Kultusgemeinde mit heute noch 49 Mitgliedern. Seit 2012 erinnern dreiunddreissig Stolpersteine an die ermordeten Juden in Meran.

Die Reise wurde vom Tourismusbüro IDM Südtirol-Alto Adige organisiert.

Titelbild: Kurpromenaden führen dem Fluss Passer entlang
Fotos: Ruth Vuilleumier

Teil 1: Ruth Vuilleumier: Südtirols Schätze entdecken
Teil 2: 
Maja Petzold: Auf alten Wegen
Teil 3: Ruth Vuilleumier: Italienischer Charme in Südtirol
Teil 4: Maja Petzold: Der unbeugsame Wille zur Autonomie
Teil 5: Ruth Vuilleumier: Kurstadt an der Passer
Teil 6: Maja Petzold: Brot, Wein, Äpfel und ein Highlight 

 

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