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Für kleine und grosse Kinder

Bilderbücher sind längst nicht nur Kleinkinderliteratur. Bilderbücher können auch Schulkinder faszinieren. Drei Bilderbücher über drei Expeditionen.

Kinder jeglichen Alters lesen Comics, aber bei Bilderbüchern gibt es oft eine Schranke: Kinderkram! Drei Autoren, die gleichzeitig auch die Illustratoren sind, haben für den NordSüd Verlag Erzählbücher gestaltet, die zwar von der Wechselbeziehung von Bild und Wort leben, aber durch ihre künstlerischen, grafischen und auch inhaltlichen Qualitäten weit mehr sind als simple Bilderbücher. Es sind Neuerscheinungen, die man auch kunstaffinen Erwachsenen unter den Weihnachtsbaum legen könnte.

Ein Fabulierbuch

Na, gut, das erste Buch richtet sich wohl doch mehr an Kinder. An solche, die gerne tüfteln, basteln und einen Hang zum Surrealen und zum Träumen haben. Denn «Der geniale Herr Zippzack» vom Schweizer Autor und Illustrator Jürg Obrist ist voll farbiger Fantasie und Lust am Fabulieren, und so verrückt, dass es neugierige und unternehmungslustige Kinder begeistern wird. Erwachsene sind da wohl bereits etwas zu ernst für diese bunte Abenteuerwelt.

Aber zusammen kann man sich ja trotzdem freuen an dem Erfinder, der eine Mondrakte bastelt, sie durchs Küchenfenster startet und damit ins Weltall fliegt. Dumm nur dass die Bremse auf dem Küchentisch liegen blieb, was doch allerlei nach sich zieht. Im wahrsten Sinn des Wortes.

Parallelwelt unter dem Gras

Vor einem Jahr erschien «Lindbergh», der Erstling des jungen deutschen Kinderbuchautors und -Illustrators Torben Kuhlmann. Das Buch begeisterte sowohl Leserschaft wie auch die Fachwelt, wurde ausgezeichnet und schnell zum Bestseller und der Autor sogar für eine Buchpräsentation ins Lindbergh-Museum nach Washington eingeladen.

Nun legt Kuhlmann ein neues Kinderbuch vor, das in eine ganz andere Welt entführt. «Maulwurfstadt» erzählt fast ohne Worte die Geschichte eines Maulwurfs, der auf einer Wiese ein neues Heim zu graben beginnt. Und wie das so ist, wenn jemand eine gute Idee hat, es kommen andere dazu. Bald wird aus dem Maulwurfsgang samt Hügel ein ganzes Maulwurf-Universum. Eine Parallelwelt zu den Menschenstädten, mit allem, was dazu gehört: Zersiedelung, Unterhaltung, Mobilität samt Stress im Stossverkehr, Bürokratie und Energieproblemen.

Es ist ein herrliches Buch, um Geschichten zu spinnen, über Fortschritt und das Leben allgemein zu diskutieren – und um zu schauen. Denn Kuhlmanns ganz eigene zeichnerische Handschrift, sein Humor und die kleinen ironischen Seitenhiebe sind einfach köstlich. Das ist ein Buch für Kinder von 6 bis 99 Jahren!

Wahre Geschichte, wunderbare Illustrationen

Und diese Empfehlung trifft auch auf das dritte Bilderbuch zu. Es erzählt die Geschichte von Sir Ernest Shackleton, der zwar den Traum von der ersten Südpol-Expedition aufgeben musste – Roald Amundsen war 1911 schneller – aber sich danach in den Kopf setzte, den antarktischen Kontinent von Küste zu Küste zu durchqueren.

Das von William Grill verfasste und illustrierte Buch «Shackletons Reise» erzählt von diesem Himmelfahrtsunternehmen, das zwar scheiterte, von dem Shackleton aber alle seine 26 Gefährten lebend wieder in die Zivilisation zurück brachte. Was an sich schon eine Heldentat war, hatten die Männer doch mit allen Widerwärtigkeiten zu kämpfen, die man sich nur ausdenken kann.

Es ist aber nicht nur diese wilde – und wahre – Abenteuergeschichte, die das Buch so einzigartig macht, es sind vor allem die detailreichen Farbstift-Illustrationen. Grill zeichnet nicht nur die gesamte Besatzung, alle Hunde, Zelte und Schlitten – die waren überlebenswichtig, als das Expeditionsschiff im Packeis stecken blieb und auseinanderbrach – sondern auch all die Ausrüstungsgegenstände, den Proviant, den Bau der «Endurance», des Schiffes, das sie dann verloren, die Karten und Pläne samt Planänderungen und immer wieder, in wunderbaren doppelseitigen «Gemälden» die faszinierende, unendlich grosse Welt aus Eis und Schnee und wildem Meer.

Faszination Abenteuer

Ich bin mir fast sicher: Wenn dieses Buch für ein Kind unter dem Weihnachtsbaum liegt, dann wird Vater oder Grossvater sich ganz schnell von all der «Heiligen Nacht» verabschieden, sich in eine Ecke zurückziehen und auf eine grosse Expeditions-Traumreise gehen.

Jürg Obrist, Text und Bilder: Der geniale Herr Zippzack. Illustriert 32 Seiten.

Torben Kuhlmann, Text und Bilder: Maulwurfstadt. Illustriert 32 Seiten.

William Grill, Text und Bilder: Shackletons Reise. Illustriert, 80 Seiten. Alle drei Bücher sind im NordSüd Verlag erschienen.

Links zu bereits erschienenen Geschenktipps:

Der Tod auf dem Apfelbaum
Franz schwimmt den Rhein hinunter
Lesen und Basteln für Kinder von heute
Bei den wilden Oesterreichern
Darf es auch Musik sein?
– Im Sog der Erinnerung
Rückschau auf die 70er-Jahre

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