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Zauberhafte Sommernächte

«Endlich Sommer» ist nicht nur unser Sommerserie- Thema, es ist auch der Stossseufzer vieler nach dem zweiten Pandemiewinter. Nicht alle mochten im Winter oder Frühling in bereits wieder vollbesetzten Restaurants essen, an Veranstaltungen wieder Schulter an Schulter sitzen oder zu Hause Freunde treffen und immer regelmässig ans Lüften zu denken..

Sicher ist es nicht nur mir so ergangen: Ich sehnte mich nach warmen Tagen, nach Sport im Freien, nach spontanen Treffen in einer Gartenwirtschaft. Endlich Sommer. Aber als ich mir überlegte, was ich denn so vermisst habe in den vergangenen Monaten, da kamen mir als Erstes nicht die heissen Tage, die Aufenthalte im Freibad oder sonnigen Ferientage in den Sinn. Nein, mir fehlten die warmen, weichen Sommernächte.

Die Nächte, um mit meinem Partner auf der Terrasse zu sitzen, vielleicht ein Glas Wein in Griffnähe, im Ohr die warme Stimme Frank Sinatras, die von irgendwelchem Balkon zu uns herüber weht. Weit unten auf dem See schiebt sich ab und zu die beleuchtete Silhouette eines Schiffs ins Blickfeld, am gegenüberliegenden Ufer schrauben sich manchmal Autoscheinwerfer eine Hang hinauf und der Sternenhimmel scheint ganz nah. Tempi passati. Es war eine wunderbare Zeit und leider endgültig vorbei. Aber die Sehnsucht bleibt.

Das kleine Blumenwunder

Der Zauber einer Sommernacht erschloss sich mir schon sehr früh. Ab dem Kindergartenalter verbrachte ich regelmässig eine oder zwei Sommerwochen bei meinen Grosseltern. Und da gab es ein ganz besonderes Ritual: Meine Grossmutter, eine begnadete Gärtnerin, setzt sich jedes Jahr mit mir an einem schönen Abend vor den Torbogen zu ihrem Garten. Dort rankte sich eine tagsüber recht unscheinbare «Achtiblume», eine Oenothera biennis, auch Nachtkerze genannt, um das Metallgerüst. Sie öffnet ihre gelben Schalenblüten erst in der Nacht und zwar, wenn man ganz genau hinhört, jede einzelne mit einem leisen «Plopp». Es waren magische Augenblicke, wenn sich eine Blüte nach der anderen entrollte. Unvergesslich.

Die Nachtkerze, meine Grossmutter nannte sie «Achtiblume», weil sie erst abends aufblüht, verzauberte mir in der Kindheit jeden Sommer.

In meiner Kindheit am See durften wir, etwas älter schon, in den Sommerferien lange aufbleiben. In der «Badwannstalt», wie ich immer sagte, bis mich Klassengspänli mal so richtig auslachten, oder auf der breiten Haabmauer, wo wir alberten, lachten und manchmal auch ganz still wurden. Einfach weil es so zauberhaft schön war am See. Und dann waren da die ganz leisen, spitzen Töne, die allerdings nicht alle hören konnten. Die Ortungsschreie der Fledermäuse, die im nahen Kirchturm wohnten und auf dem Friedhof hinter uns auf Insektenjagd gingen. Manchmal kamen sie im Sturzflug daher, streiften fast unsere Haare. Aber immer nur fast. Ein leises, angenehmes Schaudern lösten sie aber trotzdem aus.

St.Petersburger Nächte

Erwachsen geworden erinnere ich mich an die «Weissen Nächte von St.Petersburg». Noch ganz beeindruckt von den «Vortragsübungen» im Mariinski– Theater, wo die Klassen des Kirow-Balletts zum Abschluss des Schuljahres Eltern, Verwandten und eben auch uns von den Zürcher Ballettfreunden ihr Können zeigten, sass man nachher an der Newa oder auf einem Boot auf derselben und schaute zu, wie der Himmel langsam eindunkelte. Nur um dann schon wieder heller zu werden. Die «Weissen Nächte» eben.

St.Petersburger Nächte sind im Sommer nur ein, zwei Stunden lang, dann wird es bereits wieder hell.

Auch in Finnland erlebte ich solche Sommernächte, wo an Schlaf fast nicht zu denken war oder erst dann, wenn einem die Sonne bereits wieder ins Bett schien. Nicht nur wir, auch die einheimische Bevölkerung genoss diese hellen Nächte. Und Feste feiern im Sommer, das können die Finnen. Das haben wir an der Hochzeit eines Studienkollegen meines Mannes hoch oben in Oulu erlebt. Bis zum frühen Morgen, der gar kein Morgen mehr war sondern bereits heller Tag, sang und tanzte die ganze Hochzeitsgesellschaft.

Zusammen plaudern und lachen und dann ruhig werden und den Vollmond anstaunen, das sind echte Sommer-Highlights. (Alle Bilder pixabay)

Jetzt geniesse ich die Einladungen zu Grill- oder Racletteabenden, die sich meist lange hinziehen. In meinem kleinen Garten sitzen wir in kleiner Runde und schauen zu, wie die Umgebung langsam im Dunkeln zerfliesst. Gerade in diesen Wochen ist es angenehm, wenn die Hitze des Tages langsam einer warmen Sommernacht weicht. Und das leise Rascheln im Garten, das Summen der nachtaktiven Insekten beweisen, dass es nicht nur uns Menschen so geht. Sommernächte dürften nie enden.


In der Reihe «Endlich Sommer» bereits erschienen:

1 Kommentar

  1. Das meine ich auch. Ich sass gestern Nacht lange auf meinem Balkon, ein kühles Glas Weisswein vor mir, die alte Katze tiefenentspannt zu meinen Füssen und ich verlor meinen Blick in den vor mir thronenden Mond. Die heftige Bise, die schon den ganzen Tag durchs Seeland zog, hat sich beruhigt und einem lauen Lüftchen, das mich an die Toscana erinnert, Platz gemacht, das Rauschen des nahen Waldes ist kaum mehr zu hören, eine intensive friedliche Stille umgab alles und die Tagesaktualitäten sind eine Nacht lang nicht mehr wichtig.

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