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Singen öffnet die Herzen

Musik verbindet Menschen, Musik ist eine universelle Sprache. Sie wird verstanden, auch wenn Menschen nicht die gleiche Sprache sprechen. Dies ist die Idee hinter dem WeltCHOR Baden, der seit 2016 besteht.

Der WeltCHOR Baden umfasst rund 140 Mitglieder. An den Proben singen jeweils an die 90 Personen zwischen 31 und 86 Jahren, mit 25 verschiedenen Nationalitäten und ebenso vielen Sprachen. Gesungen werden Lieder aus aller Welt, auf Deutsch und in vielen verschiedenen Sprachen, auch der Herkunftsländer der Chormitglieder. Der Chor besteht seit 2016, und ich bin von Anfang an dabei.

Im Zentrum steht der Chorleiter Daniel Pérez, der mit Spass und Engagement den grossen Chor musikalisch-professionell leitet. Ob er nun auf witzige Art seinen neuen Rentierpulli in der Adventszeit präsentiert oder neue Lieder einstudiert – der Chor ist mit Freude dabei und macht konzentriert mit.

Die Proben beginnen jeweils mit gymnastischen Bewegungen und gesanglichen Übungen. Zum Abschluss des Warm­-ups wird traditionell die Rosanna mit Inbrunst besungen. Damit sind unsere Kehlen bereit für die eigentliche Probe.

Wie der Name sagt, hat Dani spanische Wurzeln, wuchs als Secondo in Spreitenbach auf, studierte in Luzern Gesang (Bariton), besuchte international verschiedene Meisterkurse und bildete sich als Gesangslehrer und Chorleiter weiter aus.

Musik ist für ihn durchaus eine ernste Sache, doch stets verbunden mit Freude und Lockerheit, was er nicht nur unserem Chor, sondern auch seinem klassischen Laudate Chor in Zürich-Altstetten mitgibt. Als Kantor an der Reformierten Kirche in Horgen gründete er zudem vor zwei Jahren einen zweiten WeltCHOR, der auch schon bei Konzerten mit dem WeltCHOR Baden aufgetreten ist. Seine Proben bewirken, dass alle jeweils danach fröhlich nach Hause gehen – «ein bisschen Glanz» im Alltag.

WeltCHOR Baden und Horgen singen gemeinsam am Konzert während der Badenfahrt im Kurtheater Baden

Das Angebot des WeltCHORS richtet sich, wie es auf der Webseite heisst: an «Einheimische» und «Zugezogene», Expats, Secondos und Secondas, Schweizerinnen und Schweizer, Migrantinnen und Migranten. Auch an Binnenmigrantinnen und Binnenmigranten, denn zieht jemand von Chur nach Baden, muss er oder sie sich ebenso erst ein Umfeld schaffen, um sich am neuen Ort wohl zu fühlen. Auch Pensionierte sind im WeltCHOR willkommen, zumal viele Chöre keine über 50-jährigen Neumitglieder mehr aufnehmen.

Wenn Dani ausnahmsweise einmal keine Zeit hat, springt die ehemalige Musiklehrerin Monika Wettstein für ihn ein.

Die Anforderungen an den Chor sind absichtlich niederschwellig gehalten. Niemand muss vorsingen, Notenlesen ist keine Voraussetzung, Absenzen-Listen gibt es nicht, der Mitgliederbeitrag ist erschwinglich, man darf ihn aber durchaus aufrunden, wenn das möglich ist. Alle sind willkommen, auch die Ungeübten. Wenn einmal ein Ton nicht perfekt rauskommt, stört das innerhalb der 90 Stimmen nicht. Ein Stimmbildungs-Workshop ist zudem in Vorbereitung. Im Zentrum steht die Freude am Singen. Geprobt wird rund alle zwei Wochen im reformierten Kirchgemeindehaus in Baden, gleich neben dem Bahnhof.

Einmal im Monat offeriert das WeltCHORcafé im Foyer Getränke und die Chorleute bringen Kuchen und Knabbereien mit. Der Begegnungsort gehört zur Grundidee des WeltCHORS.

Wichtig ist neben dem Singen das gesellige Zusammensein. Dafür öffnet einmal im Monat nach der Probe das WeltCHORcafé im Foyer, das heisst die Leute vom Vorstand bringen Getränke mit und die Chormitglieder Kuchen oder sonstiges Gebäck. Immer wieder überraschen fremdländische Leckereien unsere Gaumen. Man steht herum und kommt ins Gespräch, lernt neue Leute kennen, was während der Probe nicht möglich ist.

Hin und wieder gibt es Spielnachmittage. Ohne Anmeldung kann man mit seinem eigenen Lieblingsspiel kommen und lernt sich beim Karten-, Würfel- oder Brettspiel gegenseitig kennen. Letztes Mal nahmen 17 Personen teil und verbrachten einen vergnüglichen Samstagnachmittag miteinander.

Spielen, sich kennenlernen und Spass haben am Spielnachmittag.

Auch Wanderungen im Umfeld von Baden werden vom Vorstand organisiert. So lernen gerade Zugezogene oder Geflüchtete die Umgebung besser kennen. Überdies bietet eine der Sängerinnen aus eigener Initiative Spaziergänge an. Wer Lust hat, kann sie kontaktieren und einen Spaziergang mit ihr und anderen unternehmen. Es sind Gelegenheiten, sich kennenzulernen, für Anderssprachige Deutsch zu sprechen, oder eben nicht allein unterwegs zu sein.

Auf die Frage an Olena aus der Ukraine, die seit über einem Jahr hier ist, wie es ihr im WeltCHOR geht, meint sie, sie sei sehr glücklich hier mitzusingen, das helfe ihr aus der Depression herauszukommen. Im Chor ist sie gezwungen Deutsch zu sprechen, und sie spricht schon gut. Sie ist über eine Integrationsgruppe auf den WeltCHOR gestossen. Hier findet sie Ansprechpersonen, was ihr das Leben in der Schweiz erleichtert.

Im Raum singend herumgehen, seine eigene Stimme hören und jene der anderen wahrnehmen. 

Der Chor wurde im Frühjahr 2016 von Sabine Graser in Baden gegründet. Sie war damals Leiterin der Fachstelle Integration in Baden. Mit dem WeltCHOR wollte sie eine Plattform schaffen, um Menschen, auch Asylsuchende, sozial zu vernetzen. Sie hoffte, mit den Ausschreibungen in den lokalen Zeitungen wenigstens 25 Personen zu erreichen; doch es kamen schon beim ersten Mal 70. Und der Chor wächst ständig. In der Coronazeit hielt der Vorstand die Chormitglieder mit kreativen, unterhaltsamen Newslettern und Zoom-Veranstaltungen bei der Stange. Zwar gibt es hin und wieder Abmeldungen aus unterschiedlichen Gründen, doch bei jeder Probe kommen neue Interessierte hinzu. Mittlerweile zählt der Chor an die 140 Mitglieder.

Andrea Koller mit offenem Ordner (erste vorne rechts) ist Präsidentin und Ansprechperson für alle Sängerinnen und Sänger im WeltCHOR Baden.

Seit vier Jahren präsidiert Andrea Koller den Verein WeltCHOR Baden. Ihr liegt es am Herzen, sagt sie, dass die Leute sich wohl fühlen und informiert sind. Sie verschickt regelmässig E-Mails mit den notwendigen Hinweisen. An sie kann man sich wenden, wenn man ein Problem mit dem Chor hat, wenn der Ordner mit den Noten nicht mehr auffindbar ist; oder wenn man ihr einfach danken möchte, dass sie sich um alles kümmert. Andrea Koller war Primarlehrerin, machte eine Theaterausbildung in Paris und leitete während 12 Jahren in Co-Leitung das Theater Kornhaus in Baden. Sie hat Erfahrung im Umgang mit Menschen und Leiten von Gruppen.

Yvonne Brogle gehört dem Vorstand an und organisiert diverse Integrationsanlässe rund um den WeltCHOR. Auch für sie spielt das tolerante Zusammensein eine grosse Rolle. Sie arbeitete jahrelang in der interkulturellen Abteilung der Stadtbibliothek Baden, initiierte dort das Deutschcafé, das Erzählcafé und ist Co-Leiterin des Interkulturellen Frauentreff im Familienzentrum Karussell in Baden. Durch ihr breites soziales Netzwerk schafft sie Kontakte zu sozialen Organisationen.

Aufführungen fanden 2023 im März in der Katholischen Kirche Baden statt sowie anlässlich der Badenfahrt Ende August gemeinsam mit dem WeltCHOR Horgen, sowohl im Kurtheater Baden als auch in der Reformierten Kirche Horgen. Die Aufführungen waren ausgebucht, das Publikum begeistert.

Fotos: WeltCHOR Baden und rv

WeltCHOR Baden

Ein bisschen Glanz

Bisher erschienen:

Peter Steiger: Oje du fröhliche TV-Weihnachtswerbung – Seniorweb Schweiz

Maja Petzold: Keine Weihnacht ohne Engel – Seniorweb Schweiz

Bernadette Reichlin: Schön, wenn es glitzert und funkelt – Seniorweb Schweiz

Josef Ritler: Oh Tannenbaum, Oh Tannenbaum wie grün sind deine Blätter – Seniorweb Schweiz

Ruth Vuilleumier: Singen öffnet die Herzen – Seniorweb Schweiz

Beat Steiger: Putzen, bis es glänzt? – Seniorweb Schweiz

Sibylle Ehrismann: Eine Liebesgeschichte – Seniorweb Schweiz

Robert Bösiger: Blütenkelche erhellen den Friedhof – Seniorweb Schweiz

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1 Kommentar

  1. Herzlichen Dank für dirsen und so viele Interessante Berichte…Singen öffnet die Herzen: Das ist so wunderbar und hilft für so vieles ; ich singe auch in einem Chor und es ist etwas vom besten, was man für sich tun kann🎶💖…und einen lieben Gruss an Ruth Vuilleumier-es hat mich gefreut, dass wir uns kurz im Landesmuseum begegnet sind😊. Regula Cruz

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