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Museen im Lockdown

Mit dem Lockdown haben viele Museen virtuell aufgerüstet und stellen auf ihrer Webseite die derzeit geschlossenen Ausstellungen über Video, virtuelle Führungen und Rundgänge vor. Auch Bildbesprechungen, Künstlergespräche oder Einführungen von Kuratoren sind zu entdecken, vereinzelt auch auf Facebook.

Viele Museen in der Schweiz sowie im Ausland sind im Lockdown äusserst aktiv geworden mit virtuellen Beiträgen und Videos auf ihren Webseiten und teilweise auch auf Facebook. Der vorliegende Beitrag stellt ein paar Beispiele vor und soll dazu anregen, im Internet auf eigene Erkundungstour zu gehen und so wenigsten virtuell wieder einmal Museumsluft zu schnuppern. Die Programme sind vielfältig und anregend und erweitern den geistigen Horizont, zudem helfen sie gegen den Corona-Blues.

Die Webseite des Kunstmuseum Basel zeigt in einem virtuellen Rundgang die Ausstellung «Rembrandts Orient», dabei lässt sich jedes Bild nahe heranzoomen und genau studieren. Zudem werden auf Facebook von kompetenten Kunsthistorikerinnen und Kunsthistorikern des Museums einzelne Bilder oder Werkgruppen lebendig vorgestellt. Auch zu kommenden Ausstellungen gibt es auf der Webseite kurze Video-Einführungen durch die Kuratoren, wie beispielsweise zu Sophie Täuber-Arp «Gelebte Abstraktion» ab März 2021 oder Camille Pissarro «Das Atelier der Moderne» ab September 2021.

Hans Arp, Demeter, 1960, Marmor, Privatsammlung. (Aus der Ausstellung in der Fondation Beyeler: Rodin/Arp).

Die Fondation Beyeler zeigt auf der Webseite verschiedene Videos, so zur aktuellen Ausstellung «Rodin/Arp» des Kurators Raphael Bouvier, der die Werke anschaulich und mit viel Hintergrundwissen bespricht. Der Kunstvermittler Daniel Kramer stellt in einer Detailführung Edward Hopper vor, für alle, die diese Ausstellung verpasst haben oder sie nochmal über Video anschauen möchten. Auf der Webseite der Fondation sind auch Künstlergespräche, etwa ein Interview mit der amerikanischen Konzept- und Installationskünstlerin Jenny Holzer oder mit Christo zu entdecken, ebenso verschiedene Videos von Konzerten oder Performances eingeladener Tanz-Ensembles, die die Formensprache der ausgestellten Werke aufnehmen und als Bewegung im Raum interpretieren.

Das Aargauer Kunsthaus stellt auf der Webseite jeden Monat ein Werk durch die Kunstvermittlung digital vor: Im Monat Dezember war es die Skulptur «Die Tanzenden» von Gillian White Siegenthaler von 2002 im Rathausgarten hinter dem Kunsthaus und im letzten Monat Januar die Bildbetrachtung eines Werks des Schweizer Künstlers Rolf Winnewisser. Durch die Ausstellung «Kosmos Emma Kunz – Eine Visionärin im Dialog mit zeitgenössischer Kunst» führt die Kuratorin Yasmin Afschar auf einem digitalen Rundgang.

Holzbüste der Begine Maria von Oignies (gest. 1213), 2. Hälfte 16. Jahrhundert, Musée Diocésain et Trésor de la Cathédrale de Namur. (Aus der Ausstellung im Landesmuseum Zürich: Nonnen – Starke Frauen im Mittelalter).

Das Landesmuseum in Zürich bietet virtuelle Rundgänge und Videos durch die vergangenen Ausstellungen auf der Webseite an, wie zu «Der erschöpfte Mann», «Nonnen – Starke Frauen im Mittelalter», auch zu «Grönland 1912». Man erhält so einen vertieften Einblick mit zahlreichen interessanten Erläuterungen. Zudem kann man kostenlos für terminierte virtuelle Führungen einen Platz reservieren, etwa zu «Bettgeschichten» am 7. Februar von 14 bis 14.45 Uhr.

Das Landesmuseum führt einen spannenden Blog, der auch auf Facebook aktiv ist. Hier erscheinen regelmässig fundierte Berichte über bekannte und wenig bekannte historische Schweizer Persönlichkeiten sowie über Geschehnisse aus vergangener Zeit, die mit der Schweiz in Verbindung stehen. Diese kurzen Beiträge, von verschiedenen Historikern geschrieben, sind immer locker und interessant zu lesen, wie zum Beispiel über Katharina Morel (1790-1876), die die Strapazen des Russlandfeldzugs von 1812 erfahren hat und in Luzern zur Tourismuspionierin wurde.

Johann Jakob Wolfensberger, Rom von der Villa Mattei aus, 1832, Kunsthaus Zürich. (Aus der Ausstellung im Kunsthaus Zürich: Im Herzen wild – Die Romantik in der Schweiz).

Auf der Webseite des Kunsthaus Zürich stellt der Kurator Jonas Beyer im Video die Ausstellung «Im Herzen wild» vor, die bis Mitte Februar gezeigt worden wäre, und nun nur noch virtuell zu sehen ist. Auch zu «Ottilie Roederstein» gibt es kurze Videos, in denen die Kuratorin Sandra Gianfreda die eigenwillige Künstlerin vorstellt. Unter Kunsthaus auf You Tube findet man zudem verschieden Beiträge zu aktuellen und vergangenen Ausstellungen, auch zum Kunsthaus-Erweiterungsbau, sowie Aufnahmen von Live Streams und Künstlergespräche.

Das Kunstmuseum Winterthur zeigt die aktuelle Ausstellung «Modernité – Renoir, Bonnard, Vallotton» der Sammlung Richard Bühler als Youtube auf der Webseite. Ebenso sind die Audioguides als Podcasts zu einzelnen Werken im Museum abrufbar, wie etwa zu Caspar David Friedrich «Kreidefelsen auf Rügen» von 1818.

Giovanni Giacometti, Neve nuova, 1910, Privatbesitz. (Aus der Ausstellung im Kunstmuseum Winterthur: Modernité – Renoir, Bonnard, Vallotton).

Das Kunstmuseum Solothurn stellt die Retrospektive des Werks von Albert Trachsel (1863-1929), die bis zum 7. Februar gezeigt worden wäre, in einer Videoführung auf der Webseite vor. Ebenso sind weitere Videobeitrage zu ehemaligen Ausstellungen sowie virtuelle Rundgänge durch die Sammlung in der Videothek zu finden.

Das Kunstmuseum Bern präsentiert auf seiner Webseite verschiedene kurze Videos zur Ausstellung «Crazy, Cruel and Full of Love» mit Werken aus der Sammlung der Gegenwartskunst. Das Museum wagt mit den Werken von Miriam Cahn, Martin Disler, Markus Raetz, Marina Abramovic u.a. einen Streifzug durch die jüngste Kunstgeschichte. Immer auf der Suche nach dem, was die jeweiligen Künstlerinnen und Künstler über extreme Zustände und Emotionen erzählen. Die kurzen Videobesprechungen einzelner Bilder beleuchten die Hintergründe der Darstellungen und erleichtern den Zugang. Auf Facebook postet das Kunstmuseum Bern zudem Beiträge mit Bildbetrachtungen.

Alle Fotos: rv

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